Knochen, Holz und Räucherwerk

Erst jetzt, wo ich mich im Rahmen dieses Beitrags noch einmal durch ein paar Veröffentlichungen des Labels höre, wird mir deutlich, dass es eigentlich kaum eine bessere Überschrift für die Musik geben kann als den Labelnamen Aural Hypnox. Fast jedes der zugehörigen Projekte versteht sich wunderbar auf die Hypnose von Gehörgängen. Das Attribut des Nächtlichen versteht sich von selbst, denn das ist schlicht die Tageszeit, für die diese Art von Musik gemacht ist. Ritual Ambient hat sich als Begriff eigentlich vor allem aus dem Grund herausgebildet, um eine klare Grenze zum Muttergenre Dark Ambient zu schaffen. Zwei Bezeichnungen für im Grunde die selbe Art von Musik, könnte man meinen. Lediglich einige Tribal-Einflüsse und eine möglichst okkulte Atmosphäre, spielen auf musikalischer Eben eine Rolle, während das ganze Drumherum der eigentliche Grund für diese Abgrenzung ist.

Damit komme ich auch zurück zu Aural Hypnox. Ein Blick auf die Live-Performances von Projekten wie Arktau Eos oder Halo Manash verrät: Hier wird nicht nur Musik gemacht, sondern mit voller Hingabe etwas Größeres zelebriert. Viel Räucherwerk, verdeckte Gesichter und geheimnisvolle Symbole gehören zu diesen Veranstaltungen, genau wie traditionelle und selbst hergestellte Instrumente aus Holz und Knochen. Anti Ittna Haapapuro, seines Zeichens Labelgründer und Mitglied der meisten Aural Hypnox Projekte, betonte 2008 in einem Interview, dass zu oft nach Hintergründen der Musik gefragt wird, anstatt diese einfach zu erleben und zu würdigen. Die Aussage bezieht sich in diesem Fall zwar ausschließlich auf Halo Manash, jedoch ist sie ohne Weiteres auch auf alle übrigen Bands des Künstlerkollektivs zu übertragen. Das bringt mich zu einer weiteren Frage: Worin liegen denn dann eigentlich noch die Unterschiede zwischen den Veröffentlichungen der etwa zehn Projekte des Labels?

Setzen wir auf der musikalischen Ebene an, denn diese sollte im Zentrum des Ganzen stehen. Die Unterschiede werden allein zwischen Arktau Eos und Halo Manash, die sich besonders in den letzten paar Jahren zu den Vorreitern der finnischen Ritual Ambient Szene gemausert haben, deutlich. Halo Manash zeigen seit ihrem ersten Album „Se Its En“ eine stete Entwicklung von recht einfachem, aber unglaublich verstörendem Dark Ambient, hin zu einer organischeren, sehr viel natürlicheren Variante. Monoton und hypnotisch funktioniert bei dem Duo allerdings durchweg auf allen neun Alben wunderbar. Arktau Eos hatten diesen natürlichen Klang von Beginn an und besonders auf ihren sehr langen Doppelalben „Mirrorion“ und „Ai Ma Ra“ wurde deutlich mehr mit Field Recordings und rituellen Instrumenten gearbeitet.
Eine ausführliche Abhandlung aller Projekte des Labels würde hier deutlich den Rahmen sprengen, jedoch sollten Zoät-Aon, Aeoga und I.Corax als weitere wichtige Labelmitglieder nicht unerwähnt bleiben. Zoät-Aon, das Soloprojekt von Jaakko Vanhala (Depther), war für mich ein Einstieg in die Welt von Aural Hypnox und hat hier sehr gute Arbeit geleistet, obwohl die Musik im Vergleich zu den Label-Genossen eher untypisch klingt. Bedrückender kann man diese Art von Ambient eigentlich gar nicht gestalten. Als wäre das noch nicht genug, arbeitet Vanhala (besonders auf dem Album „Star Autopsy“) Noise-Elemente ein und wiederkehrend fühlt sich alles nach sehr ungemütlichem Albtraum an.Aeoga würde sich denen empfehlen, die Gefallen an Halo Manash gefunden haben und es noch etwas harmonischer mögen, während I.Corax wesentlich mehr Wert auf verstörende elektronische Elemente legen.

Aural Hypnox fabrizieren rituelle Musik, die man sich gerne ins Regal stellen möchte. Das hat den einfachen Grund, dass nahezu alle Veröffentlichungen in aufwändig gestalteten und handgemachten Verpackungen verkauft werden. Damit schließt sich der Kreis und ich komme zurück zu dem, was Ritual Ambient so besonders machen kann: Musik und das Drumherum ergänzen sich so, dass ein schlüssiges Gesamtpaket dabei heraus kommt. Darin sind Aural Hypnox besonders gut und verdienen jede Menge Unterstützung.

http://helixes.org
http://auralhypnox.com

Delirium [Jonas B.]

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