Untergründiges – #1 Grifteskymfning

In dieser Serie möchte ich einige Back Metal-Bands vorstellen, die mir besonders am Herzen liegen und die zudem – zumindest zur Zeit – eher dem „Underground“ zugerechnet werden können. Dass dieser ominöse Underground bzw. vielmehr seine Grenzen immer der Perspektive des Betrachters unterliegen, ist selbstverständlich, sollte aber nicht weiter stören, da es mir ohnehin nur darauf ankommt, die hier vorgestellten Bands etwas von ohnehin bekannten, größeren Gruppen abzugrenzen. Des Weiteren werde ich mich, soweit möglich, auf Bands beschränken, die momentan noch aktiv sind, auch wenn ich das Konzept der Serie erst einmal möglichst offen halten möchte, da ich noch nicht weiß, welche Bands genau ich besprechen werde. Es handelt sich bei einem solchen Projekt naturgemäß um eine sehr stichprobenartige Auswahl, mit der sicherlich nicht jeder so einverstanden wäre, aber selbstverständlich geht es hier genau um jene Bands, die ich persönlich im heutigen BM-Underground besonders erwähnenswert finde – in Abgrenzung zu den Heerscharen an Bands, die alles andere als erwähnenswert sind.

Beginnen möchte ich mit einer Black Metal-Band, deren Erwähnung mir fast schon ein besonderes Anliegen ist, da sie mich wie kaum eine andere vergleichsweise unbekannte Band der letzten Jahre fasziniert hat. Die Rede ist von den schwedischen Grifteskymfning. Sie entstammen den Ancient Records, einem Kreis von konzeptuell, musikalisch und personell sehr eng verbundenen Black Metal-Bands, die sich um eben jenes Label gescharrt haben. Geographisch betrachtet sind die Bands bzw. die einzelnen Member recht weit über Schweden verstreut, jedoch ist ein Schwerpunkt Richtung Nord- und Mittelschweden auszumachen, was sicherlich genügend natürliche Inspiration für die Musik bietet. Die bekannteste Band des Labels sind wohl Svartrit, die bereits drei Alben veröffentlicht haben. Zentrale Figur ist Sir N., der auch in nahezu allen Bands aktiv ist/war. Auch bei Grifteskymfning ist er für alles bis auf die Drums zuständig und so setzt sich der schon irgendwie unverkennbare Sound des Labels auch auf den Veröffentlichungen von Grifteskymfning fort. Dieser Sound lässt sich vielleicht als eine Mischung aus sehr traditionellem Black Metal und einem eigenen Element beschreiben, das aus einer sehr schwachen Verzerrung der Gitarren und einem zeitweise irgendwie „abgehackten“ Riffing entsteht, welches mich persönlich etwas an LIK erinnert. Natürlich bleibt bei den einzelnen Bands aber immer noch genug Platz für einen eigenständigen Klang und tatsächlich klingen Grifteskymfning auf ihren Releases auch immer recht unterschiedlich.
Die erste Demo wurde 2009 veröffentlicht und ist vollständig instrumental gehalten, was im Black Metal und insbesonders im traditionellen Black Metal immer noch eine ziemliche Rarität ist. Die Demo hat mit über 40 Minuten eine recht lange Spielzeit und enthält im Wesentlichen bereits die bekannten Ancient Records-Elemente sowie ein etwas abgewandeltes Riffing, das sich auch auf dem Grifteskymfning– Debüt „Djävulens Boning“ fortsetzt. Dabei handelt es sich um das vermehrte Einstreuen recht hoher,  melodischer Gitarrenläufe, die den Ancient Records-Sound, wenn man ihn denn so nennen mag, um eine eingängige Note ergänzen. Die Produktion ist natürlich recht naturbelassen gehalten, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tut, sie ganz im Gegenteil eher begünstigt, wenngleich anzumerken ist, dass zumindest die Produktion der Vocals auf dem Debüt noch einmal hätte überdacht werden sollen. Die hohen Melodien machen das Album zwar deutlich leichter zugänglich als so manch anderes Release aus dieser Ecke, jedoch können sie gleichzeitig auch als Kritikpunkt angesehen werden, da sie auf Albenlänge schon eine gewisse Penetranz entfalten. Und somit komme ich dann auch zum letzten und meiner Meinung nach mit Abstand wichtigsten Release der Band, das sie für mich völlig aus dem öden Sumpf des BM-Underground heraussteigen lassen hat. Mit ihrer Demo „Likpsalm“, die 2011 veröffentlicht wurde, haben sich Grifteskymfning bzw. Sir N. nämlich wieder deutlich vom ursprünglich eingeschlagenen Weg entfernt. Die hohen, melodischen Gitarren wurden vollständig aus dem Klangbild getilgt, die Produktion ist um einiges dichter, letztendlich einfach besser gehalten und das gesamte Riffing der Band ist wesentlich unzugänglicher als noch auf den vorangegangenen Releases.

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So beginnt die Demo bzw. das Album mit einem wunderbar bedrohlichen Orgel-Intro, das sofort eine nostalgische Stimmung hervorruft. Solch ein Intro würde sicherlich von vielen heute aktiven, eher modern ausgelegten Bands als geschmacklos betrachtet werden, aber in den Sound von Grifteskymfning passt es auch wegen des leichten Hangs zum Dramatischen perfekt hinein. Der darauffolgende Song ist sofort exemplarisch für das komplette Werk. Schwer zu überblickendes Drumming, ein sehr dichter Sound, die extrem echo-behafteten, (dadurch) aber auch sehr gelungenen Vocals – all das bietet ein wunderbar stimmiges Gesamtbild, das die auf dem Cover abgebildete dunkle Waldlandschaft in genau dieser etwas unscharfen Weise musikalisch widerspiegelt. Zwar fehlen die hohen Gitarren vom Debüt, das heißt allerdings nicht, dass „Likpsalm“ unmelodisch klänge. Die Melodik ist zeitweise sogar sehr ausgeprägt, obgleich sie wohl am besten zum Tragen kommt, wenn sie mit atmosphärischen Mid-Tempo-Riffs verbunden wird wie z.B. im absolut großartigen „Smälekens List“. Ob hohes Tempo oder auch mal langsamer – Grifteskymfning beherrschen es meisterlich, den Hörer stets bei Laune zu halten, wobei natürlich nicht unerwähnt bleiben sollte, dass man jegliche Art von Experimenten vergeblich sucht, obwohl die Band – wie schon zur Genüge erwähnt – durchaus einen irgendwie einzigartigen Sound hat. Die fehlende Experimentierfreudigkeit wird ganz einfach durch die extrem düstere, so in den letzten Jahren kaum auf einem anderen Release zu findende Stimmung wettgemacht. Der Anfang von „Dunkel Mystik Dväljes Inom“ ist dermaßen furchteinflößend, dass man sich geradewegs in die Welt des Cover hineinversetzt wähnt.

Zwar ist die Spielzeit tatsächlich etwas fordernd, allerdings sollten die sechzig, nun wirklich nicht übertrieben langen Minuten bei einem derartig atmosphärischen Black Metal-Album niemandem ein Dorn im Auge sein. Wer, wie ich, immer wieder auf der Suche nach traditionellem Black Metal, im Idealfall mit einer eigenen Note, ist, dem ist „Likpsalm“ wärmstens ans Herz zu legen, denn Grifteskymfning und Sir. N ist hiermit zweifellos ein kleines Juwel inmitten der zeitweise etwas frustrierenden Black Metal-Landschaft gelungen. Nichtsdestotrotz sei zu guter Letzt natürlich auch das Hören der anderen Ancient Records-Bands empfohlen. Diese sehr produktive Mikro-Szene hat schon einige gelungene Werke hervorgebracht und auch die etwas weniger bekannten Bands wie Hädanfärd, Grav oder Bekëth Nexëhmü sind zumindest ein Reinhören definitiv wert.

Levskin [Leonard R.]

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