#space: Sirens – Surge

a1532948221_10Wenn es im Jahr 2013 und 2014 etwas gab, das mich im Sommer immer begleitet hat, dann war dies ein neuer Progressive Metal Release welcher eine eher futuristisch anmutende, dennoch positive Grundatmosphäre inne sitzt.
In Anbetracht der Veröffentlichung des neuen Northlane Albums „Node“ würde sich dieses perfekt anbieten, eine dazugehörige Rezension zu schreiben. Der Sinn dahinter wäre jedoch eher schleierhaft, da Northlane bereits eine recht große Fanschar um sich geschart haben und dieses Album wohl auch in allen anderen Internetportalen bereits besprochen wird. Daher widme ich mich lieber dem Debüt-Album einer aufkeimenden Band aus den Staaten, die ebenfalls in diese Ecke des progressive Metal fallen: Sirens.

Sirens haben bisher eine einzige EP vorzuweisen und kommen jetzt mit ihrem Debüt „Surge“ daher. Mittlerweile ist Djent als Genre schon beinahe völlig ausgelutscht. Bisher zeichneten sich einige Richtungen ab, in die sich das Genre weiterentwickeln konnte und es gibt auch einige Bands, die diese einzelnen Elemente hervorragend mit den Djent-Rhythmen verbunden haben. Einerseits konnte sich das Genre in eine eher proggige, experimentelle Richtung entwickeln, andererseits auf pure Brutalität und Groove setzen, Jazz Elemente lassen sich ebenfalls sehr gut in den Sound einbauen wie Pop-Strukturen. Was aus meiner eigenen Empfindung ebenfalls gut passen könnte wäre die Vermischung mit Elementen aus dem EDM Sektor, doch bis auf The Algorithm hat dies noch keine Band wirklich erfolgreich getan. Sirens wagen sich nun heran, elektronische Klänge als Ambientpassagen in die Musik einzuflechten und versuchen dabei, nicht die kläglichen Versuche etlicher Modern Metal Bands zu imitieren, die langweilige Breakdowns und kitschige Synthwände in einem einzigen Stückwerk zusammenpferchen und als Lied veröffentlichen. Das Ziel ist vielmehr eine perfekte Symbiose aus Metal und Elektro Elementen,die Hand in Hand geht und eine Einheit bildet. Ein fließender Übergang zwischen zwei Welten.

Wer sich noch an meinen Eingangspost auf dieser Plattform erinnert, der weiß dass ich durchaus auch zu haben bin für neue Musikrichtungen die auf alteingesessene Metalhörer möglicherweise „trendy“ klingen. Sirens beweisen mit ihrem Debüt-Album, dass sie durchaus die Vision haben eine neue stilistische Tanzfläche zu bauen, auf deren Boden sich neue Künstler austoben könnten. Zwar ist es nicht ganz so extrem ausgereizt wie bei The Algorithm, doch nach dem Hören des Albums merkt man schnell dass die elektronischen Elemente hier eine durchaus elementare Position einnehmen.
Im eröffnenden Titeltrack „Surge“ wird noch relativ straight forward die Djent-Keule ausgepackt und die Band erinnert hier deutlich an Vertreter wie z.B. The Contortionist oder Hypno5e, teilweise auch an das letzte Album von Fallujah. Im nächsten Titel „Drift“ jedoch wechseln sich stakkatoartige Rhythmen und Djent Riffs ab mit Dubstep Einsprengseln und weiteren elektronischen Feinheiten. Was bei anderen Bands lauthals „Gewollt aber nicht gekonnt!“ schreit, klingt hier völlig stimmig und erzeugt eine einzigartige ausserweltliche Stimmung. #space

Den absoluten Höhepunkt bildet für mich persönlich das darauf folgende „Drone“, welches zu Beginn absolut brutal und energiegeladen aus den Boxen dröhnt und sich schließlich in einen sehr atmosphärischen Mittelteil hineinsteigert, bei dem vor allem der angenehme aber ungewöhnliche Klargesang einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Auch für den folgenden Part hat die Band einen großen Applaus verdient. Einen derart flüssigen Übergang von dem Ambientpart in erneutes Metalgeriffe habe ich so noch nicht gehört.

Auch in der weiteren Spielzeit schafft die Band es keine Langeweile aufkommen zu lassen. Was ich hier besonders hervorheben möchte ist das äußerst gelungene Instrumental-Stück „Macroscopic“. Hier wird ein sehr atmosphärisches Glitch-Hop / Ambient Stück geboten welches sich trotz seiner Andersartigkeit hervorragend in den Spielfluss eingliedert und für die nötige Frische sorgt.

Insgesamt ist „Surge“ ein Album, welches viele einzelne bekannte Elemente nutzt und hieraus etwas Neues entwickelt. Leute, die die Vermischung von Metal und Elektronik als Abscheulichkeit bezeichnen, werden hiermit sicherlich keine Freude haben. Doch wer offen für Experimente ist, Bands wie The Contortionist, The Algorithm, Being oder Periphery mag, der wird sicherlich auch seinen Spass mit Sirens haben.
Für das nächste Album würde ich mir jedoch wünschen, dass die elektronischen Elemente noch etwas ausgebaut werden. Denn ich finde bei der Vermischung ist trotz der guten Ansätze von Sirens immer noch einiges an Luft nach oben und hier ist sicherlich noch nicht alles gesagt. Die Zukunft mag hier noch so einige Portale auftun und uns zeigen, wie gut diese zwei Stile doch miteinander harmonieren.

chugchug [Marvin S.]

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