Ein Meilenstein: Ihsahn – After

Ihsahn_After

Kommen wir heute zu einem meiner absoluten Lieblings-Alben, einem Album das auch 5 Jahre nach Erscheinen und zahllosen Durchläufen noch absolut nichts von seiner Faszination verloren hat, und das mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Die Rede ist von Vegard Sverre Tveitans drittem Soloalbum, „After“. Teitan ist vielen wohl besser bekannt als Ihsahn, Mastermind von Emperor, einer zu jeder Zeit großartigen Black Metal-Band, die mit „Anthems To The Welkin At Dusk“ und „Into The Nightside Eclipse“ selbst Klassiker veröffentlicht haben. „After“ ist dabei der dritte Teil der mit „The Adversary“ und „angL“ begonnenen Trilogie und schafft es spielend, seine doch manchmal etwas durchwachsenen Vorgänger hinter sich zu lassen (von den Nachfolgern wollen – leider – gar nicht erst anfangen). Im Vergleich zu den Vorgängern ist dabei besonders die hervorragende Produktion hervorzuheben, die glasklar ist, jedem Instrument Raum lässt und dabei enorm kraftvoll klingt.

Los geht es mit ‚A Barren Lands‘, einem Stück dass auch so ein wenig die Marschrichtung für das Album vorgibt. Kalte Gitarren, sterile Atmosphäre, ich fühle mich jedesmal wie im Raumschiff über einem unbekannten, verwüsteten Planeten, der zwar wunderschön anzuschauen ist, aber jeder direkte Kontakt mit ihm führt sofort zum Tod.
Das wohl ungewöhnlichste Stück ist ‚A Grave Inversed‘, das die in ‚A Barren Lands‘ mühsam aufgebaute Distanz aufbricht und mit wilder Raserei an Ihsahns Black-Metal-Wurzeln erinnert. Was das Stück aber so einzigartig macht ist die irrwitzige Saxophon-Arbeit von Jørgen Munkeby von den Norwegern Shining (nicht zu verwechseln mit den Clowns um Kvarforth aus Schweden). Für mich der Inbegriff progressiven Extreme Metals! Der sich anschließende Titeltrack nimmt dann direkt wieder eine Menge Fahrt raus und schlägt sich mit ruhigen Leads und cleanem Gesang zunächst auf die atmosphärische Seite des Albums, bevor rauerer Gesang und bedrohliche Riffs den Zuhörer daran erinnern, dass man sich immer noch auf eben jenem lebensfeindlichen, kalten Planeten befindet. Die akustischen Klänge gegen Ende schaffen dann einen tollen Übergang zum nächsten Song, der es wie kaum ein Track des Albums vermag, die zwei zentralen Säulen Atmosphäre und Distanz so nahe beieinander zu präsentieren. ‚Frozen Lakes On Mars‘ mit  seinen aggressiven, schnellen Strophen und dem getragenen, epischen Refrain, der jedesmal wieder für Gänsehaut sorgt. Nach dem epischen ‚Undercurrent‘, das einen durch komplette Musiklandschaften führt und eine großartige Spannung aufbaut folgt dann mit ‚Austere‘ der einzige winzige Minuspunkt für das Album, da der Track im Verhältnis zum Rest des Albums irgendwie ein wenig im Nichts versickert. ‚Heavens Black Sea‘ beginnt mit eindringlichem Stakkato, unter dessen Führung sich Gitarren ausbreiten und das Fundament für Vegards Gesang schaffen. Die Gitarren bauen in diesem Song eine beeindruckende Dramatik auf, die durch den clean gesungenen Chorus und das aufheulende Saxophon gekonnt unterstrichen wird. Am Ende des Albums und über allen Songs steht dann aber das gigantische ‚On The Shores‘. Auch heute fehlen mir die passenden Worte um diesen Song adäquat zu beschreiben, das fantastische Saxophon, das in den ersten Minuten den kompletten Song übernimmt, der metallastige Mittelpart oder das Jam-Session-artige Ende, an ‚On The Shores‘ passt einfach alles. Besser kann man ein Album nicht beenden.

Auf „After“ gelingt Ihsahn eine Melange aus Technik und Atmosphäre, die für mich immer noch seinesgleichen sucht. Und weil das dazu führt, dass das Album nicht nur die Möglichkeit bietet, sich völlig darauf einzulassen und in der Musik zu entschwinden sondern man es auch jederzeit konzentriert hören kann und trotzdem immer etwas neues entdeckt oder einfach nur über die Arrangements und Melodien staunt kann ich das Album nur jedem empfehlen, der im entferntesten etwas mit extremeren Klängen anfangen kann.

Leider hat er es wie eingangs schon erwähnt weder davor noch danach noch einmal geschafft das Niveau von „After“ zu erreichen, „Eremita“ dürfte sogar eine der größten musikalischen Enttäuschungen meines Lebens sein. „Das Seelenbrechen“ war dann zwar zum Glück wieder ein Schritt in die richtige Richtung, aber konnte mich bis auf den absurd-trashigen Titel bei dem ich herzlich lachte auch nicht völlig überzeugen. Wie das aber bei Musikern die einen schonmal so begeistern konnten so ist werde ich natürlich auch das nächste Release bei Erscheinen mit zitternden Händen zur Anlage tragen und auf einen Geniestreich hoffen.

Anspieltipps: A Grave Inversed, Frozen Lakes On Mars, On The Shores

Nezyrael [Florian R.]

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