panDEMOnium #1

Ich persönlich halte die Demokultur für ein spannendes Feld und das liegt vor allem daran, dass sie so ein breites Spektrum an Veröffentlichungen hervorbringt. Allein die Qualitätsspanne geht in diesem Bereich von der kaum vorzeigbaren Kelleraufnahme bis hin zu nahezu perfekter Albumqualität. Spielzeiten variieren zwischen zehn Minuten und über einer Stunde. Limitierunngen zwischen fünf und 500.
Viele Demos repräsentieren das frühe Schaffen von Künstlern, hin und wieder kommt es aber auch vor, dass sich im späteren Verlauf der Diskograpfie eines einmischt. Demos sind, besonders im Metal-Bereich, schon längst nicht mehr das, wofür sie ursprünglich gedacht waren: Ein Mittel, um sich einen Namen zu machen und irgendwo einen Plattenvertrag ergattern zu können. Die Demokultur hat sich verselbstständigt. Es gibt ganze Kleinstlabels, die sich diesem Veröffentlichungsformat verschrieben haben und manch eine Band kommt mittlerweile gar nicht mehr über diesen Bereich hinaus. Ohne viel Planung, Umwege und große Ankündigungen können Musiker auf dem Demoweg ihre Musik an den Mann und die Frau bringen.
Diese Vielfalt macht den Demobereich für mich so interessant und darum möchte ich ihm diese Reihe mit dem Titel „PanDEMOnium“ widmen. In jedem Beitrag werde ich eine Handvoll Demos vorstellen, die mich begeistert, überrascht oder schockiert haben. Ich fühle mich zwar selbst mit Black und Death Metal und Dark/Ritual Ambient am wohlsten, jedoch werde ich versuchen, die Genre-Auswahl so vielfältig wie eben möglich zu halten. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Möglichkeiten begrenzt sind, da gerade der Anteil der Metalbands under den Demoveröffentlichern recht hoch ist, aber wer weiß schon, was sich nicht alles noch hie und da auflesen lässt.

TOR – Stoneycombe (2015)
Man könnte meinen, dass ich mit TOR bereits meinen ersten Joker verspiele. Kein Metal. Weder schwarz noch tödlich. Ganz ruhig und ausgeglichen. Fast zehn Jahre nach den eigentlichen Aufnahmen dieser sechs Songs, hat der Brite Thomas Neal sich endlich zu einer Veröffentlichung durchgerungen. „I’m only sorry it has taken this long…“ heißt es auf seiner Facebookseite und wer weiter klickt, stellt dann auch noch einen „Name-Your-Price“-Download bei Bandcamp fest. Danke Thomas, gute Sache. Ich muss gestehen, ich bin nicht zufällig auf TOR gestoßen. Das hervorragende Artwork von „Stoneycombe“ stammt von der Rumänin Luciana Nedelea, die sich mit Artworks für Nightbringer, Mare Cognitum und andere bereits einen Namen gemacht hat (Ja, ertappt, da ist der Metal-Bezug).
„Stoneycombe“ fühlt sich in etwa so an, wie das Cover aussieht. Ein nächtlicher Wald, ein klarer Sternenhimmel. Der Wind flüstert in den Baumkronen. Rascheln im Unterholz und jede Menge merkwürdige aber irgendwie vertraute Geräusche. Das Demo vereint alles, was Folk so schön machen kann, ergänzt progressive Elemente und bleibt dabei über alle Maße angenehm und natürlich. Es fühlt sich alles richtig an und Thomas‘ weiche Stimme trägt dazu einen enormen Teil bei. Das Gesamtpaket nimmt einen mit auf einen aufregenden und zugleich beruhigenden Nachtspaziergang. Gefühlvoll, mystisch und unbedingt zu empfehlen.

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Energumen – Void Spiritualism (2014)
Kurz, knackig und mit einer ganzen Menge aggressivem Geprügel geht es nun mit Energumen weiter. Wer von einem Death/Black Metal Duo aus der Schweiz liest, wird sich zunächst unweigerlich an Bölzer erinnern, die mit ihrem einzigartigen Sound in den letzten Jahren von sich reden machen konnten. Energumen schlagen eine etwas andere Richtung ein, können sich aber dennoch ebenfalls problemlos von anderen Bands aus dem Bereich abgrenzen.
Ab der ersten Sekunde geht es bei „Void Spiritualism“ auf das Gaspedal. Die Kombination aus Rumpelproduktion und wahnwitzigen Drums erinnern etwas an die Amis von Order From Chaos, stimmlich hingegen gehen Energumen in eine gänzlich andere Richtung. Ordentlich tiefe Gurgel-Growls verleihen der Demo ein zusätzliches Maß an Brutalität. Auch wenn das musikalische Gesamtbild dafür fast etwas zu geordnet wirkt, erinnert „Void Spiritualism“ mit seinen zwölf Minuten Prügelorgie durchaus an das, was man gemeinhin als War Metal bezeichnet. Das dürfte nicht zuletzt an der Kompromisslosigkeit und konstanten Aggression liegen. Wer mit der Richtung etwas anfangen kann, wird daran mit Sicherheit viel Freude haben. Die selbstveröffentlichte und stark limitierte Kassette war relativ schnell nicht mehr zu bekommen, also haben die Schweizer die ganze Schose auf 7″-Vinyl via Blood Harvest nachgelegt.

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Cendres – Ungeziefer (2007)
Ungemütlichen Black Metal gibt es gerade aus Frankreich ja jede Menge. 2007 haben Cendres mit ihrer einzigen Demo „Ungeziefer“ die Auswahl in dieser Hinsicht noch etwas erweitert und allein der Titel ist hervorragend genug, um sich mit der Demo weiter zu befassen. Was einen hier erwartet, ist eine verdammt bedrückende Kellerproduktion. Monotone, manchmal etwas dissonante aber eigentlich dauerhaft beängstigend dichte Riffs paaren sich hier mit noch viel beängstigenderen Vocals. Erst Schreie, dann eine Art Heulen, dann wieder Schreie. Was hier passiert, scheint wie aus einer anderen Welt. So vollkommen entrückt und unangenehm, dass man sich den Hörzeitpunkt lieber sorgfältig aussuchen sollte. Cendres liefern hier einen Soundtrack zu wirklich vollständiger Dunkelheit, zu Unwohlsein und Verzweiflung.
Vermutlich ist dieses Demotape bei Noise- und Black Ambient-Hörern sogar besser aufgehoben, als bei den meisten Black Metal Hörern. Die raue Produktion geleitet die Gitarren sowieso in eine lärmige Geräuschkulisse, die an den meisten Stellen nur noch schwer in Riffs zu unterscheiden ist. Wer interessiert ist, sollte dieses Demo durchaus noch auf den gewohnten Wegen auftreiben können.

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Delirium [Jonas B.]

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