Per Wegweiser durch den Audiokosmos: Reasonably Sound

“Do you enjoy sound? You’re reading a post from a music blog right now, so chances are good that you do.”
Eine stumpf-geradlinige wie auch einleuchtende Erkenntnis, und vielleicht gerade deshalb ein guter Einleitungssatz. Das dachte sich bestimmt auch Mike Rugnetta, denn so (mit Ausnahme einer offensichtlichen Abänderung) leitet er die Beschreibung zu einem seiner vielen Standbeine und Tätigkeitsfelder ein: den Podcast „Reasonably Sound“, um den es in diesem Post gehen soll.
Alle zwei Wochen beglückt uns Rugnetta in diesem Podcast mit neuen Geschichten, Kuriositäten und interessanten Aspekten aus der Welt des Schalls. Wenn man die bereits abgefrühstückten Themen überfliegt wird so manchem vielleicht erst klar, wie vielseitig diese Welt sein kann. Denn kein Bereich, der noch mit Audio zu tun hat, ist ihm zu weit hergeholt, keine Idee scheint zu abwegig.

Reasonably Sound ist in meinen Augen empfehlenswert und somit einen Blogpost wert, weil Rugnetta darin zwei verschiedene Arten von Expertise vereint, die geradezu perfekt für solch einen Podcast sind. Zum ersten wäre das eben diese scheuklappenlose Herangehensweise in der Themenfindung. Wer Rugnetta aus einem seiner vielen Projekte und Standbeine kennt weiß, dass er es versteht, weit hergeholte Ideen aufzusaugen und in übertriebener Manier zu überdenken und zu zerpflücken. Paradebeispiel hierfür ist sein „Hauptberuf“ beim US-Sender PBS als Host des Youtubekanals „Idea Channel“, auf dem er jede Woche neue Ideen und Fragen diskutiert und dabei auch auf philosophische und soziologische Theorie, vor allem aber auf Pop- und Netzkultur und die zugrunde liegenden Medien und Technologien zurückgreift.
Die zweite Expertise ist das logischerweise sehr hilfreiche Interesse und Wissen bezüglich (experimenteller) Musik und Audio im Allgemeinen. Bevor Rugnetta für Know Your Meme arbeitete und von dort aus tiefer in die Netzkultur eintauchte, war er bereits in mehreren Bereichen der Musik unterwegs, von Musiker über Toningenieur hin zum Komponisten für Tanz und Theater. Hinzu kommt, dass der gute Herr auch privat recht interessiert an außergewöhnlicher Musik sein muss, wie man beispielsweise im Hintergrund des Idea Channel Sets sehen kann. Oder wie man es in einigen Podcasts heraushören kann. Oder auch in einem ausgiebigen Zwiegespräch mit dem „fleißigsten Musiknerd des Internets“.

Die Kombination dieser beiden Dinge ermöglicht, dass Reasonably Sound einerseits thematisch in die Breite, andererseits aber auch innerhalb eines Themas in die Tiefe gehen kann. Am Anfang – und ich würde auch allen interessierten Lesern empfehlen, dort anzufangen – bleibt es allerdings noch bei recht allgemeinen und naheliegenden Aspekten von Schall, wie beispielsweise dem Ohr, welches uns das Erfassen all dieser tollen Dinge überhaupt erst ermöglicht. Wie sagt man so schön: Keine Geschichte ist vollständig, wenn sie nicht mit dem Urknall anfängt (und siehe da, auch dazu gibt es bereits eine Folge).
Und sobald man sich von dort aus durch die 25+ Folgen durchgehört hat, ist man um einiges an kuriosem Wissen reicher. Manche Soundeffekte wird man nie wieder auf dieselbe Art hören (bzw. lesen, wenn es um Comics geht) können wie vorher. Man ist sich stärker dessen bewusst, was ein Song monetär gesehen wert sein kann, auf welche Arten Schall auch eine gemeine Waffe sein kann und warum Dinge die Feuerwerke und allgemein Explosionen so klingen wie sie klingen. Auch diverse Mythen, urbane Legenden und Tricks rund um Musik und Schall werden unter die Lupe genommen, von Audio-Illusionen hin zu unterschwelligen Geheimbotschaften auf Tonträgern. Und Rugnetta wäre nicht Rugnetta, wenn es nicht auch das eine oder andere Mal um die Schnittstelle zwischen Musik/Schall und Kultur gehen würde – in aktueller Popkultur, aber auch in früher (Musik-)Geschichte.

Alles in allem sollte also für jeden Audiofreund etwas Neues und Interessantes dabei sein. Eine schöne Ode an die Komplexität der Welt des Schalls und ein dringend nötiger Wegweiser durch die unüberschaubar vielen Kulturen, Kontexte und Verzweigungen hin zu allen Ecken der Welt und der Gesellschaft. Und nicht zuletzt auch eine kleine Erinnerung daran, dass selbst den belanglosen Nichtigkeiten unseres Alltags – wie der Melodie eines Eiscremetrucks – oftmals eine komplexe Geschichte und ein Zusammenspiel vieler gesellschaftlicher und historischer Begebenheiten zugrunde liegen kann.

Interloper [Johannes S.]

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