David Maxim Micic – Ego & Eco

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Über die Jahre hinweg habe ich mich durch unterschiedlichste Metal Subgenres durchgewühlt und hierbei hat eine sehr große Rolle der Progressive Metal gespielt. Viele Künstler aus diesem Bereich überschreiten die Grenzen konventioneller Hörgewohnheiten und dürfen oftmals Sprüche hören wie zum Beispiel, dass dies nun keine Musik mehr ist sondern nur noch ein seelenloser Schwanzvergleich.
Und während dies auf einige Musiker sicherlich auch zutrifft, die nur ihr technisches Können zur Schau stellen, gibt es doch auch einige, die tatsächlich als moderne Komponisten ihren Platz eingenommen haben. Einer von diesen ist mit Sicherheit der Serbe David Maxim Micic.

Sein Schaffen bezeichnet der studierte Musiker selbst als „music for the sake of music.“. Dies ist ein äußerst kräftiges Statement das man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Frei von Erwartungen, ohne unnötiges technisches Rumgewichse wird hier Musik zelebriert, wie man sie nur selten hört. Dies hat er auch schon auf vielen Veröffentlichungen bewiesen. Einerseits hat er sich mit Destiny Potato schon eine ordentliche Fanschar erspielt, andererseits findet sein Solo Projekt zunehmend mehr und mehr Hörer. Nun hat er zwei neue Eps veröffentlicht: Ego & Eco.

„Ego“ ist hierbei die erste von den beiden Veröffentlichungen und wurde dieses Jahr bereits im Juli auf die Menschheit losgelassen. Während das Artwork die Farbe blau trägt und somit eher eine kühle Ausstrahlung hat, zeigt sich auch die Musik in einer bestimmten Stimmung. „Ego“ ist vermutlich die Veröffentlichung von David Maxim Micic, die kompositorisch am meisten Variation bietet und daher auch extrem schwer zugänglich ist. Die fast 23 Minuten packen einen an der Hand und zerren einen in einen Zug, der eine wilde Fahrt in eine absolut skurrile Welt nimmt. Während die ersten beiden Tracks noch halbwegs geradlinig vorpreschen werden bei Nr. 3 „Disorder“ sämtliche Register des Wahnsinns gezogen. Weibliche Sprachsamples, ein Akkordeon und eine irrsinnige Gesangsdarbietung von Vladimir Lalic fusionieren zu dem perfekten Soundtrack zu Alice im Wunderland. Aufgrund der facettenreichen Darbietung findet die EP auch schnell zum Ende. „Devise“ steigert die Lautstärke zunehmend bis zur Schmerzgrenze damit man aus dem Drogentrip wieder erwacht.

„Eco“ hingegen zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Das grüne Artwork vermittelt eine positive Stimmung anstelle der Kälte von „Ego“. Auch klanglich gibt es einige Unterschiede zum Vorgänger. Die Lieder sind meistens in sich abgeschlossen (bei „Ego“ hat jeder der 4 Titel einen fließenden Übergang zum nächsten), es wird ein höherer Wert auf Eingängigkeit gelegt und Gesang steht hier deutlich mehr im Vordergrund. Auch ist der Metal Anteil deutlich geringer und mit einer Spielzeit von 37 Minuten kann „Eco“ auch schon als Full-Length durchgehen.

Schon zu Beginn schmettert uns der kreative Serbe mit „Universe in a Crayon“ ein Highlight vor den Latz. Das Klavierintro zeigt sich vergleichsweise simpel, überzeugt aber durch ein grandioses melodisches Feingefühl.
Insgesamt zeigt David Maxim Micic wieviel Gedanken er in seine Kompositionen steckt. Zum Beispiel hat „500 Seconds Before Sunset“ tatsächlich eine Spielzeit von 500 Sekunden und er greift eine Melodielinie aus „Ego“ erneut auf um sie in einem anderen Kontext und mit anderen Instrumenten in einem neuen Licht erstrahlen zu lassen. Auch überzeugen die Gäste auf dem Album. Hier treten nun mit Dan Wieten, Scampi und Myoki drei unterschiedliche Gastsänger auf, die den Klang nochmal um weitere sehr eigene Nuancen erweitern. (Die volle Gästeliste kann man auf der Bandcamp Seite sehen)
Was mir ein bisschen aufstößt ist jedoch, dass der letzte Song „Stardust“ in der Hauptmelodie eine gewaltige Ähnlichkeit hat zu dem Lied „Eternal and You“ von Koven. Da es sich hierbei jedoch um zwei grundverschiedene musikalische Richtungen handelt gehe ich davon aus, dass nicht mit Absicht diese Ähnlichkeit besteht.

Da beide Veröffentlichungen nun sehr zeitnahe erschienen sind, sich vom Titel ähneln und auch zusammen vermarktet wurden, liegt es nahe die beiden zu vergleichen. Problematisch hierbei wird, da sie sich von der Stimmung die erzeugt wird jedoch viel zu sehr voneinander unterscheiden. Mir selber jedoch sagt „Eco“ deutlich mehr zu, da es einerseits viel zugänglicher ist und die einzelnen Bestandteile die hier zusammenfinden meiner Meinung nach eher miteinander harmonieren. Bei „Ego“ stört meiner Meinung nach der Gesang im dritten Lied, welcher hier eher als Gimmick daher kommt. Denn es ist sicherlich eine beeindruckende gesangliche Leistung, jedoch fühlt es sich so an als hätte man dies hier nur hereingequetscht um zu zeigen: Hey, schaut mal wie individuell ich bin!
Auch hab ich teilweise das Gefühl, dass die EP an einem vorbeirauscht ohne dass irgendwas hängen bleibt. Diese Probleme hat „Eco“ nicht, der einzige Kritikpunkt wäre möglicherweise, dass man mit den Klangfarben der unterschiedlichen Sänger nicht zurecht kommt. Ansonsten wirkt das Album deutlich stimmiger.

Trotz dieser Kritik kann ich jedoch jedem empfehlen, sich nicht nur „Eco“ anzuhören sondern auch den blauen Bruder. Und wenn man schon dabei ist darf man sich auch gerne alle weiteren Veröffentlichungen von David Maxim Micic anhören, denn ich bin mir sicher dass hierbei jeder etwas findet was seinem persönlichen Geschmack entspricht.

Bandcamp

chugchug [Marvin S.]

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