Ein weiteres Störsignal im Rauschen der Blogosphäre

Mehr werden wir nicht sein und das stört uns auch nicht. Konzentriert man sich auf das Hier und Jetzt, markiert dieser Post den Anfang unseres großen Projekts, welches als Konzept bereits seit Monaten existierte und heute seine Manifestierung erlebt.
Dieser Blog umfasst nicht nur mich, sondern eine Gruppe von Leuten, weshalb ich bisher bewusst die Pluralform gewählt habe. Einander getroffen haben wir uns im Exile-Forum, welches in letzter Zeit immer mehr zu einem Sammelbecken gestrandeter Ex-Forenexistenzen mutierte. Doch wirklich vereinen tut uns die Leidenschaft zur Musik und der Drang, sich dazu äußern zu wollen.
Wir haben alle unsere Vorlieben und Abneigungen und hören dementsprechend nicht unbedingt dasselbe. Um diese Vielfalt zu transportieren, wird es hier keine redaktionelle Aufsicht oder dergleichen geben. Es werden in einem regelmäßigen Abstand (Dienstag – Donnerstag – Sonntag) Posts veröffentlicht, in denen sich jeder von uns zu einem Thema seiner Wahl äußern darf. Wir werden ständig rotieren und auch hin und wieder Gastbeiträge mit aufnehmen, wenn es sich anbietet.

Um unsere Gruppe besser kennenzulernen, folgen hier nun die einzelnen, teilweise sehr ausführlichen Vorstellungen und (musikalischen) Backgrounds:

Tiz [Tizian C.]

Ursprünglich in die Welt der Gitarrenmusik entführt haben mich anno 2009 Rise Against und die damals aufkommende Metalcorewelle. Mit der Zeit wuchs das Verlangen nach härterer und düsterer Musik immer weiter, bis ich schlussendlich in den Untiefen des Black Metals angelangt meine Wohlfühlzone erreicht habe. Bands wie Deathspell Omega, Dodsengel, Blut Aus Nord, Lunar Aurora, aber auch die unzähligen Klassiker des Genres gehören heute zu meinen absoluten Favoriten.
Gleichzeitig stieg aber auch das Interesse in andere Spielarten in- und ausserhalb der Metalszene. Innerhalb des Metal kann ich mich eigentlich für fast jedes Genre begeistern, wobei der Fokus stark auf klassischen Heavy Metal, Epic Metal, Progressive und Post Metal liegt.
Jenseits des Metal gibt es aber auch unzählige Musikgenres, in denen ich mich heimisch fühle. So haben Joy Division und Post Punk im allgemeinen auf immer einen Ehrenplatz in meinem Regal auf sicher, genauso wie jeglich Indie/Alternative Rock Spielarten. Andererseits gibt es unzählige Vertreter aus den verschiedenen Zeitaltern des Progressive Rock, die es mir angetan haben. Ebenso Singer/Songwriter im Allgemeinen – wobei Tom Waits und Scott Walker ewige Favoriten darstellen. Nebenher bin ich auch dabei, mich immer mehr im Jazz und Ambient wohlzufühlen, gute Musik ist eben zeit- und grenzenlos.

Levskin [Leonard R.]

Musik war für mich im Grunde schon immer wichtig. Bereits als Kind hatte ich Lieblingssongs, die mich beim Hören in sonst ungekannte Zustände versetzt haben. Später habe ich dann eigentlich eine recht typische Entwicklung genommen. Angefangen hat es im Alter von etwa 10, dass ich mich für Rock- und Punk-Musik zu interessieren begann, wenngleich damals noch von keinem systematischen Suchen oder tiefergehendem Interesse die Rede sein konnte. Erst mit 13 wurde ich dann in die Welt des Metal eingeführt, obwohl es sich damals hauptsächlich auf die Band Amorphis beschränkte, die mich sicherlich irgendwie geprägt hat. Ich begann, mich stärker für düsterere Musik zu interessieren und nach einer kurzen Phase von Pagan-/Folk-Metal stieg ich endgültig in die Musikrecherche und Forenwelt des Internets ein. Bald, das war dann so mit 15, verlagerte sich mein Interesse auf Black Metal und ich durchkämmte, mal mehr, mal weniger systematisch sämtliche Spielarten des Genres. Auch heute noch zähle ich Black Metal zu meinen Lieblingsgenres, obwohl sein Anteil in meinen wöchentlichen Playlists deutlich geschrumpft ist, was nicht zuletzt meinem in den letzten zwei Jahren stark gewachsenen Interesse an Genres außerhalb des Metals liegt. Hier habe ich vor allem ein Faible für jegliche Spielarten der Folk- und Singer/Songwriter-Musik entwickelt. Darüberhinaus habe ich allerdings für fast alles etwas übrig, sei es Indie Rock, Post-Punk, Ambient, Hip Hop, experimentelles Zeug, elektronische Musik, klassische Musik, Stoner und Psych-Rock usw. usf (willkürliche Auswahl). Es gibt wirklich kaum etwas, das mich nicht zumindest ansatzweise interessiert.

Interloper [Johannes S.]

Schönen guten Tag, Johannes mein Name.
Dann werde ich hier mal versuchen, kurz und knackig auf meinen musikalischen Werdegang einzugehen, damit der potentielle Leser in etwa weiß, mit wem er es hier zu tun hat. Grundsätzlich habe ich bereits mit 12 schon mehr Zeit als andere damit verbracht, nach neuer Musik zu suchen. Man holte sich vom Nachbarsjungen gebrannte CDs mit räudigem Deutschpunk und räudigerem Future Trance Kram und fing auch zunehmend damit an, selbst in zwielichtigen Portalen nach neuen Bands und Künstlern zu suchen. In der frühen Jugend war das primär (Pop-)Punk, was sicher auch mit meiner Liebe zu „Tony Hawk’s Pro Skater“-Spielen und deren Soundtracks zu tun hat. Irgendwann wurde aus Punk (Melodic Death) Metal und von dort aus wurde in jedes erdenkliche Subgenre harter Gitarrenmusik hineingeschnuppert. Viele Subgenres aus dieser Zeit würde ich auch heute noch als eines meiner großen Steckenpferde bezeichnen, mittlerweile habe ich aber in allen Genres meine Favoriten. Am liebsten ist mir alles, was man als psychedelisch, tagträumerisch oder im Entferntesten als atmosphärisch bezeichnen kann. Naheliegend sind da Ambient, Psybient, Shoegaze, Black Metal, Stoner Rock/Metal und Konsorten. Aber alles kann, nix muss.

chugchug [Marvin S.]

Hey Leute,
Ich bin der Marvin, Baujahr 1991. Dafür, dass ich mich hier als Musik-Nerd unter anderen Musiknerds tummel habe ich mein Interesse für die wohltuenden Klänge erst recht spät entdeckt. Mit 16 Jahren erstmals Kontakt mit Bands wie Korn, Linkin Park, Limp Bizkit und Slipknot gehabt, habe ich mich relativ schnell in allen möglichen Breiten des Metals ausgetobt. Insbesondere angetan haben es mir hierbei Bands wie Behemoth, Necrophagist, Meshuggah und Deathspell Omega. Doch da mir der Metal nach einiger Zeit langweilig wurde habe ich meinen Horizont auch anderen Musikgenres geöffnet. Somit zog mit der Zeit dann auch Hardcore, Fusion, Hip Hop und auch EDM in meine Playlists ein.
Wenn ich mich auf eine Top-5 meiner Lieblingsbands beschränken müsste wären dies: Converge, Necrophagist, Periphery, Deathspell Omega und Altar Of Plagues.

Xhi [Nils S.]

Musik verfolgt mich seit meinem fünften Lebensjahr bewusst. Schon früh beobachtete ich meinen Vater dabei, mit welcher Begeisterung er seine Platten hörte und war nicht selten selbst angetan vom Gehörten. So spielte ich gerne Luftgitarre zu Pink Floyd, Eric Clapton oder Deep Purple und rannte dabei lachend um den Wohnzimmertisch – so ziemlich die frühste Erinnerung, die ich an das Hören von Musik habe. In den Folgejahren, also von der Mitte bis zum Ende der 90er Jahre, prägten mich hauptsächlich diverse Sampler: Von Bravo Hits über Juste The Best und The Dome, bis zu den Schlumpfhits und anderen Kompilationen verschlang ich vor allem in der Grundschule alles an Musik, was in den Charts zu hören war. Daneben begeisterten mich natürlich auch zahlreiche Game-Soundtracks, die ich in diesen Jahren durch das intensive Spielen von PSX, SNES und N64 genießen durfte. Besonders zu nennen wären hier die Soundtracks zu sämtlichen Zelda-Teilen, FF VII, Super Mario 64, Secret of Evermore, Secret of Mana und Planescape Torment. In ähnlicher Manier ging es noch bis zum Beginn meiner Gymnasialzeit weiter, in der ich dann aber recht schnell auf die Rockmusik meiner frühen Kindheit zurückgriff und diese mit allerlei weiteren Spielarten anreicherte – von Industrial Metal über Alternative bis Hard Rock. Prägende Bands aus dieser Zeit waren die (frühen!) Korn, Tool, Static-X, Fear Factory, die bereits genannten Pink Floyd, Jethro Tull und Metallica (vor allem „S&M“), aber auch einige deutsche Rap-Künstler wie Beginner oder Torch, die damals groß waren. Kurz nach der Jahrtausendwende war mir auch das zu wenig und ich stieg vollends in die Metal-Sphäre ein. Finntroll, Windir, Emperor, Burzum und Ulver begegneten mir recht schnell und Letztere waren im Jahr 2003 dann für mich der erste, wirklich abrupte Umschwung in der Entstehung meiner musikalischen Vorlieben. Der Soundtrack zu „Svidd Neger“ zog mir damals sämtliche Socken aus und rührte mich gleich beim ersten Hördurchgang zu Tränen – etwas Vergleichbares hatte ich bis dahin nicht erlebt. Es kann wohl als Glücksgriff verstanden werden, dass meine Sucht nach immer mehr und immer anders klingender Musik mit dieser Gruppe ihren Anfang nahm, da sie selbst eine Philosophie des stetigen Wandels zelebriert. Tage vergingen, in denen ich nichts anderes als diesen Soundtrack hörte und mich total darin verlor. An einem gewissen Punkt wollte ich aber dann mehr über diese Formation wissen und stieß somit recht schnell auf „Perdition City“, das dann direkt den nächsten Umbruch darstellte. Ich kannte Wohlfühltechno aus den 90ern. Die Loveparade verfolgte ich wohl vor allem aufgrund der dominanten Berichterstattung auf RTL 2 als Kind bereits gebannt; die typisch verspielte und kindliche Frühphase des Techno machte somit alles aus, was sich in meinem Horizont unter dem Begriff „elektronische Musik“ subsumierte. „Perdition City“ überraschte mich daraufhin als eine Form der Musik, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht nur nicht kannte, sondern mir schlicht nicht vorstellen konnte. Es folgten Monate und Jahre der Recherche und des intensiven Hörens aller denkbaren Gattungen elektronischer Klänge. Von da an war mir klar: Was ich über Musik und ihre unterschiedlichen Ausprägungen zu wissen glaubte, war engstirnig und unbegründet. Seit dem Jahr 2003 tauchte ich daher in so ziemlich jedes Genre ein, das ich finden konnte – eine Praxis, die ich bis heute beibehalten und intensiviert habe. Ob Free Jazz, Musique concrète, experimentelle Sachen unterschiedlichster Couleur, Progressive Rock, Black Metal, Fusion, Industrial, Post-Punk, Ambient, Techno, Grindcore, Neofolk oder Singer/Songwriter-Kram: Es gibt mittlerweile nichts, was ich nicht höre. Gleichwohl bin ich sehr wählerisch, welchen Künstler oder welches Künstlerkollektiv ich aus einem gegebenen Genre anteste, höre oder sogar beginne zu lieben. Die Musik verbinde ich dabei sehr oft, sehr gerne mit Tätigkeiten, Erlebnissen, Menschen – sowohl in positiver, als auch negativer Erscheinung. Auf diese Weise kann ich mich an viele Situationen und Erfahrungen in meinem Leben erinnern, wenn ich eine bestimmte Platte höre oder im Alltag nebenbei ein Musikstück irgendwo aufschnappe. Ganz grundsätzlich gibt mir Musik die Möglichkeit, mein Leben und die Welt stets in neuen Blickwinkeln betrachten zu können und aus jedem Tag eine irgendwie andere Qualität herauszuholen. Ich denke, man kann sagen: Musik macht mich glücklich.

Hati [Daud B.]

Dieser emotionale Kick beim Hören von Musik war vor vielen Jahren der Anreiz, an der Sache dranzubleiben. Bis zum Teen-Alter habe ich nicht an diese Reaktion meinerseits geglaubt, doch resonierten nach und nach die verschiedensten Interpreten mit mir, die meinen Frequenzbereich zwar schon lange verlassen haben, aber trotzdem noch immer von sich behaupten können, mich dorthin gebracht zu haben, wo ich jetzt stehe. Während es früher gerne Gitarrenbetontes war, lieber Metal als Rock (eine Präferenz, die heutzutage noch stärker bei mir ausgeprägt ist), schätze ich mich froh inzwischen aus einer deutlich breiteren Palette an Spielarten Glücksgefühle ziehen können. Der Metal ist mir zwar als musikalisches Rückgrat geblieben, doch bin ich dort auch umso selektiver geworden, wenn es um neue Erscheinungen geht. Größten Gefallen finde ich derzeit an Noise, Drone und Abarten des Ambients, was nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass mir gerade Vocals bei Musik nicht sonderlich wichtig sind. Generell sehe ich mich dazu gezwungen, bei gewissen Genres einzusehen, dass diese mich wohl auf Lebenszeit nicht mehr reizen können (ein weiterer Grund, wieso ich mich in einer Gruppe, die als Ganzes ein deutlich größeres Spektrum abdeckt, wohlfühle). Doch wer weiß: Meine Vorstellungen von heute, könnten meine Fehltritte von morgen sein, weshalb ich gar nicht weiter versuche meine möglichen Vorlieben einzugrenzen.
Ich betrachte mich als musikalischen Weltenbummler und werde diesen Blog auch dazu nutzen, meine Dias von Ausflügen (ob temporär oder permanent) zur Schau zu stellen, damit mehr Leute was davon haben. Das Gute an Empfehlungen dieser Zielorte wird nämlich immer sein, dass Flüge dorthin niemals ausgebucht sein werden.

Delirium [Jonas B.]

Hallo allerseits. Jonas hier. Bei mir hat alles mit musikalischen/musikinteressierten Eltern begonnen. Mit etwa 12-13 Jahren wurde mein Interesse für Rock und Metal immer größer, bis irgendwann, erst nebenbei, später hauptsächlich beim Black Metal gelandet bin. Das Genre hat sich gut angefühlt, also bin ich dabei geblieben und auch heute noch ist Black Metal mein Hauptinteressengebiet. In angrenzenden Genres sehe ich mich selbstverständlich auch sehr gerne um, sodass ich auch Death und Doom Metal sowie Ambient, Drone, Folk und Konsorten nicht abgeneigt bin. Abseits davon bin ich meist skeptisch, lasse mich aber gerne auf Neues ein und bin auf diesem Wege auch schon auf einige musikalische Perlen gestoßen, die aus meinem Leben nicht wegzudenken sind.

romy [Maria Victoria O.]

Ich war jung, als ich anfing, mich für Musik zu interessieren. Nicht für das Spielen, das Singen, das Tanzen dazu, nicht einmal als Untermalung für bereits geschriebene Tagträume, für Musik als Selbstzweck. Ich war so jung, dass ich argwöhnisch beäugt wurde, wenn ich mit Gothic-Szenezeitschriften an der Supermarktkasse stand. Meine erste Lieblingsband war Nightwish, und als „Nemo“ als ascheschwarzer Fremdkörper in die Playlists der Musikkanäle fand (wisst ihr noch, damals?), fühlte ich mich zum ersten Mal mit einem Musikstück wirklich, nachhaltig allein. Es ist die Magie der popmusikalischen Massenproduktion, eine künstliche Gemeinschaft zu schaffen, in der man untergehen kann – wenn alle das ungefähr Gleiche hören, in Clubs, in Imbissbuden, nachts um drei auf der Autobahn. Es sind Songs wie öffentliche Versammlungsplätze; „Nemo“, mit seinen schweren Gitarren und schwereren Chören, war ein Refugium, ein Ort, den scheinbar niemand vor mir gesehen hatte. Ich war so jung, dass ich fortan alles an dem Krater messen wollte, den dieser operatische Pannesamtmetal in meinem Weltbild hinterließ.
Das Internet alterte schnell, und ich alterte mit. Es dauerte nicht lange, bis ich für den aufgeblasenen Kitsch von Nightwish nicht mehr jung genug war (mittlerweile bin ich es wieder, und wiederum zu alt für meine damalige jugendliche Arroganz). Ich tappte blind durch die Labyrinthe von Tool – Aenima, war bei den technischen Finessen des Progressive Metal allzu willig und willenlos. Ich erfuhr mit The Gathering, Anathema und Katatonia, dass Gothic Metal kein aufgeblasener Kitsch sein muss, und dass die sinnliche Melancholie seiner besten Momente auch in andere Genres führen kann. Ich legte mich mit Isis in klare Ozeangewässer, mit Neurosis in Sümpfe und Treibsand und mit Converge in Berge aus Scherben und Rost. Ich warf den Kopf zurück und fiel und fiel und fiel in die Ekstase des modernen Black Metal mit Weakling, und fiel und fiel und fiel in die Wolken vulkanischer Asche mit Drone und Noise, The Angelic Process und Sunn O))). Ich las mir bei Post-Punk, New Wave und prototypischem Gothic Rock an, dass Musik zwischen den Schloten stillgelegter Fabriken von Thatcher-England mehr sein kann als nur Musik – und auch heute, auch ohne Thatcher-England verstanden werden kann. Ich erfuhr bei PJ Harvey und Nick Cave, dass Musik auch vor allem durch Worte, Hauchen und Raunen funktioniert. Ich suchte in Hip-Hop, Electronica und Jazz nach Möglichkeiten, mir neue Krater zu holen.

Ich war jung, als ich mit dem Schreiben anfing, doch lange war es nicht mehr als eine zweckgebundene Begleiterscheinung zur Musik, dem eigentlichen Selbstzweck. Es reichte mir nicht mehr, ganz allein in den Refugien zu sitzen, die meine Kratermusik mir eröffnete. Ich meldete mich in Internetforen an und schrieb lange und verquere Abhandlungen über meine Kratermusik, damit sie auch bei anderen Menschen zu Kratermusik werden konnte. Ahnung von Musik habe ich nicht und hatte ich nie gehabt – die Bilder waren das Mittel, um den Krater sichtbar und interessant zu machen. Die Bilder gingen irgendwann zu weit. Irgendwann grübelte ich über einem Text und einem Bild und fragte mich, ob das Bild es wirklich, wirklich wert sei, für sich zu stehen. Und irgendwann beantwortete ich mir selbst diese Frage mit einem „Ja.“
Im Unterschied zu diesen Bildern, die nur meine sind, die aus dem Nichts entstehen, war es gute Musik mir immer wert, beschrieben zu werden. Es ging nie um mich, es ging nie um irgendein künstlerisches Selbstverständnis, aber oft genug um Ehrfurcht vor einer Sache, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann. Writing about music is like dancing about architecture. Mittlerweile ist das Schreiben mein Selbstzweck und Musik oft genug nur noch zweckgebundene Begleiterscheinung, zum Singen, zum Tanzen, für bereits geschriebene Tagträume, in Clubs, Imbissbuden und nachts um drei auf der Autobahn (die Prävalenz der deutschsprachigen, textlastigen Musik in meinen jetzigen Hörgewohnheiten ist da vielleicht bezeichnend). Das geht so nicht weiter. Ich bin Teil des Exile Blogworks, weil ich endlich wieder Orte entdecken will, die scheinbar niemand vor mir gesehen hat. Ich will endlich wieder neue Krater.

Nezyrael [Florian R.]

Mein musikalisches Erweckungserlebnis ist eigentlich furchtbar unspektakulär. Nachdem ich lange Zeit nur Radiomusik und MTV gehört hatte, habe ich bei Freunden mehr so zufällig Hammerfall und Iron Maiden gehört, und das hat meine Sicht auf Musik doch sehr nachhaltig gewandelt, auch wenn ich heute nur noch mit einer der beiden Bands große Freude habe. Die Neugierde war also geweckt, und rasch wurde alles gebrannt was an Metal zu kriegen war, was leider alles in Allem nicht weltbewegend war und sich zudem extrem auf Power- und Heavy Metal beschränkte. Youtube war damals auch schwierig, da mein Internetzugang sich auf ein 56K-Modem beschränkte und Youtube somit keine wirkliche Quelle für Informationen war, waren die Ladezeiten doch enorm. Irgendwann wurde das aber auch besser, und zum Glück, schliesslich hing mir der klassische Metal doch irgendwann auch ein wenig zum Halse raus. Per Youtube wurden dann irgendwie Gorgoroth mit Incipit Satan entdeckt, was den Startschuss für eine Phase gab, in der ich eigentlich nur Extrem-Metal hörte und alles was nicht mit bösen Vocals und tiefen Gitarren gespielt wurde mit Verachtung strafte (von Non-Metal brauchen wir gar nicht erst reden). Das zweite musikalische Erweckungserlebnis war für mich dann Tom Waits mit seinem Album Rain Dogs, das mir zeigte, dass Musik doch noch so viel mehr zu bieten hat als der Extrem-Metal geben konnte. Seitdem bin ich wie die meisten anderen hier auch ständig auf der Suche nach neuer, interessanter Musik, woher und aus welcher Zeit Sie auch stammen mag. Denn wenn Musik etwas definitiv nicht verdient hat dann sind es Grenzen, die ein Hörer sich selbst auferlegt.

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