In das Exil verbannt

RegardeLesHommesTomberExileKlischeehaft wäre es, wenn ich diesen Beitrag nun eröffne mit der mittlerweile totgenudelten Diskussion über die qualitativen Vorzüge französischer Black Metal Bands. Nein, dies erspare ich mir an dieser Stelle mir selbst als auch dir.
Regarde Les Hommes Tomber haben vor wenigen Tagen ihr zweites Album „Exile“ veröffentlicht und bei dem Titel ist dieses Album ja geradezu prädestiniert dafür, auf diesem Blog besprochen zu werden. Die Jungs zelebrieren eine Mischung aus Black Metal, Sludge und Post Metal, was Vergleiche unter anderem mit ihren Labelkollegen The Great Old Ones oder auch Altar Of Plagues erlaubt. Dazu kommt dann noch der Bandname, der meiner Meinung nach nicht nur cool klingt, sondern auch wie die Faust aufs Auge zu der Musik passt.

 Erneut ausgestattet mit einem sehr hübschen Artwork führt das neue Album die Linie des Debüts konsequent fort, macht dabei aber vieles besser. Das Intro fühlt sich nun etwas weniger langgezogen an und heizt ordentlich Stimmung ein, um dann mittels eines flüssigen Überganges in „A Sheep Among The Wolves“ überzuleiten. Und holla, dies ist eine gewaltige Abrissbirne.
Brutale Screams, Blastbeats und tief gestimmte Gitarre brauen einen apokalyptischen Hexentrunk, der einen nicht narkotisiert, vielmehr steigert er die Wahrnehmung in neue Höhen. Die Truppe schafft es die vollen 7 Minuten Spielzeit die Aufmerksamkeit oben zu halten und navigiert erfolgreich durch die unterschiedlichen Songabschnitte. Mein größter Kritikpunkt bei vielen Black Metal Bands ist unter anderem, dass sie schwaches Songwriting und mangelnde Kreativität oftmals durch Monotonie versuchen zu verstecken, doch Regarde Les Hommes Tomber haben hier mitunter ihre größte Stärke. Es ist sicherlich nicht einfach, so viel Variation mit so gutem Songwriting zu kombinieren, ohne dabei gleich zu ausladend zu sein und den roten Faden zu verlieren.

Mit „Embrace The Flames“ geht es dann auch flott weiter, wobei man bei diesem Titel eine leichte Dissection Schlagseite vernehmen kann. Doch wird hier nichts dreist kopiert, viel mehr werden diese Elemente genutzt um sie mit der eigenen Vision zu verschmelzen. Dies erstreckt sich quasi über das ganze Album, wo die Band bekannte Stilelemente geschickt verwendet. Besonders positiv fällt mir hierbei das Flüstern auf, welches vor allem in der zweiten Albumhälfte häufiger zu hören ist. Dieses setzt der düsteren Atmosphäre nochmal das i-Tüpfelchen auf und ist ähnlich intensiv wie beispielsweise bei Charon.
Bei dem 11 minütigem Closer zieht die Band dann nochmal sämtliche Register und zeigt alle Stärken des Albums auf einmal auf. Zu Beginn werde ich auch sehr angenehm an Altar Of Plagues erinnert zu Zeiten von „White Tomb“.

„Exile“ ist sicherlich nicht die musikalische Untermalung einer Szenerie, in der ein Individuum in das Exil verbannt wird. Viel mehr ist es die Rückkehr aus der Verbannung. Ein Rachefeldzug an der Menschheit, der Ausbruch der Plagen, der Zerfall der Kultur. Regarde Les Hommes Tomber schaffen es selbst mich, der eine eher negative Haltung gegenüber Black Metal hat, zu überzeugen. Und so lehne ich mich doch gerne in meinem Stuhl zurück und genieße „Exile“, während ich den Fall der Menschheit betrachte.

chugchug [Marvin S.]

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