Halloween 2015 mit DJ Hati

Eigentlich mache ich mir wenig aus Feiertagen und bin Festen eher abgeneigt, inklusive all ihren Traditionen und Bräuchen. So trifft das gleich doppelt auf dieses Import-Event zu, aber da ich im Laufe dieser sogenannten Halloween-Woche mit allerlei Medien konfrontiert werde, die den Grusel und Horror zelebrieren, dachte ich mir, gestalte ich mir doch eine eigene, kleine Playlist des Grauens. Wer also am 31. zu keiner Party eingeladen ist und sich auch nicht sonstwie unnötig verkleiden möchte, kann das Fest zumindest zum Anlass nehmen, um mit mir die düstersten Tracks, die mir im Laufe diesen Jahres untergekommen sind, zu ergründen. Vielleicht ist man selbst noch auf der Suche nach Ideen für eine Halloween-Playlist, so kann dieser Post als Anreiz genommen werden, die vorgestellten Interpreten und die dazugehörigen Tracks dafür in Betracht zu ziehen.

Bedingungen: Releasedatum muss nach dem 01. Januar und vor dem 31. Oktober 2015 sein, Dauer darf die 15-Minutenmarke nicht überschreiten und es muss eine Möglichkeit geben, den Song im Internet zu streamen (Links entsprechend beigefügt).

Stavros Gasparatos – First Hit (aus „Expanded Piano“)

Was mit einem Piano alles erreicht werden kann, präsentiert der Grieche Gasparatos u.a. auf „First Hit“, in dem er klares Spiel mit Knarzen, Pochen und Quietschen kombiniert und das perfekte Geisterhaus-Feeling erschafft, in dem das Böse hinter jeder Ecke lauert.

Tunnels of Āh – The Perpetual Holocaust (aus „Thus Avici“)

Mithilfe von Cold Spring Records gibt sich Stephen Burroughs auf seinem aktuellen Projekt Drone-bespicktem (Death) Industrial hin und liefert damit die perfekte Untermalung für ein Halloween in einer menschenfeindlichen Dystopie.

Theologian – Redemption is an Impossibility (aus „Pain of the Saints“)

Wenn es um Tabus in Sound und Motiv geht, kommt einem in der Noise-Welt schnell Theologian in den Kopf, der trotz massiven Outputs stets das Niveau hochhalten kann und auch auf seinem aktuellen Doppelalbum einen Horrortrack nach dem anderen raushaut.

L’enfant de la Forêt – La Nuit Emporte Sa Voix (aus „ABRAXAS“)

Dass James ‚Perturbator‚ Kent auch anders kann, zeigt er auf diesem Nebenprojekt, wo er sich eingehender mit Trip Hop, Horror Synth und sonstigen Spielarten beschäftigt, die nicht ganz in seine energetischen Synthwave-Tracks passen.

In The Nursery – A Settled Apathy (aus „The Fall Of The House Of Usher“)

Das längjährige UK-Duo widmet sich auf diesem Release der Vertonung des gleichnamigen Stummfilms aus den 20er Jahren, basierend auf einem Roman Edgar Allan Poes, und begleitet auf subtile Weise die Angst, Mystik und Gothic-angehauchte Atmosphäre des Settings.

Of Earth And Sun – Consolatrix Afflictorum (aus „Uncoiled“)

Ein ambitioniertes Einmannprojekt aus den Staaten, das mithilfe von selbstgebauten Instrumenten aus Knochen die perfekten Drones für ein Ritual Ambient-Album der eindringlicheren Art parat hat.

Liberez – Stop Your Breathing (aus „All Tense Now Lax“)

Wer sich in einem Labyrinth befindet, aus dem er nicht mehr aus findet, und dazu noch mit verschwommenen Gestalten konfrontiert wird, findet mit dem neusten Release von Liberez den idealen Soundtrack mit dem er sich in die nächste dunkle Ecke zurückziehen kann.

Gnaw Their Tongues – Through Flesh (aus „Abyss Of Longing Threats“)

Wenn es jemanden gibt, der keine Gefangenen macht, dann definitiv Mories mit seinem Alias GTT. Der vorgestellte Track ist wohl der plakativste der gesamten Playlist, dadurch aber nicht minder unheimlich, da sich die Unruhe und Dissonanz der Instrumente schnell wie eine Verfolgungsjagd anfühlt, die nicht zum eigenen Gunsten verläuft.

Purity of Essence – Brotherhood 1989 (aus „Smířit„)

Absolutes Underground-Projekt, das via Field Recordings unwirkliche Klangumgebungen erzeugt, die sich kaum deuten lassen. Einzig dieses mulmige Gefühl des Ungreifbaren belebt die ansonsten scheintote Szenerie und macht es zu einem weiteren Kandidaten dieser Playlist.

Chaos Echœs – Interzone V: Ignorance is Bliss (aus „Transient“)

Dass sich eine Death Metal Band in diesen Post verirrt hat ist kein Fehler, denn dass Chaos Echœs über die Grenzen des Genres hinausgehen, hat bereits Kollege Delirium hier ausführlich dargelegt. So passt dieses furchteinflößende Interlude, das die grobschlächtigeren Tracks des Albums im Zaum hält, genau richtig.

Yen Pox – In Silent Fields (aus „Between the Horizon and the Abyss“)

Und der dritte Beitrag von Malignant Records, diesmal mit einem der besten Dark Ambient-Alben des Jahres. Der ultimative Beweis, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um maximale Resultate in Klangbild und Atmosphäre zu erzielen. Es ist fast schon unheimlich, wie unendlich weit allein dieser Track klingt.

Loke Rahbek & Puce Mary – A Body Reimagined (aus „The Female Body“)

Ein dänisches Duo aus dem Hause Posh Isolation, das bereits mit viel Erfahrung in diese Kollaboration ging und dementsprechend hohes Potenzial umsetzen konnte. Dass Noise nicht immer harsch sein muss, beweisen Alben wie diese, die spärlich mit diesem Stilmittel umgehen, dadurch aber in der Lage sind, umso bedrohlichere Soundscapes zu erzeugen.

White Chamber – Always Toward the Sun (aus „One“)

Das aktuellste Projekt Kim Larsens, der sich normalerweise bei :Of The Wand And The Moon: in Form von Neofolk austobt, ist eine Hommage an Dark Synthie der alten Schule und eindeutig von Konsorten wie Carpenter beeinflusst. Mit klagenden Schreien und verzweifelten MIDI-Sequenzen bildet dieser Track einen stilsicheren Abschluss einer Halloween-Nacht und entlässt den Hörer wieder in das normale Leben, welches nichtsdestotrotz mehr Schrecken beherbergen kann als jeder hier vorgestellte Song.

Happy Halloween.

Hati [Daud B.]

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