Euroblast XI: Mein Erfahrungsbericht

Ich muss zugeben, dass ich bisher noch nie auf einem Festival war. Die großen Metal-Festivals haben mich meist nie wirklich interessiert. Der Großteil der Bands im Lineup war mir schlichtweg egal, und für die wenigen Gruppen die ich sehen wollte war ich nicht bereit so viel Geld zu bezahlen.

Gereizt hat mich das Euroblast aber schon seit etwas längerer Zeit. Nachdem es die vorigen zwei Jahre bei mir nicht hingehauen hat konnte ich jedoch dieses Jahr drei Tage lang dieses Festival besuchen und somit auch meine ersten Erfahrungen machen. Schlammgruben, Dixi-Klos und Sommergewitter gab es zwar nicht, dafür bin ich aber vermutlich auch zu sehr eine Tussi als dass ich den harten Metaller raushängen lassen würde. Aber immerhin gab es die obligatorischen Slayer-Rufe. Dadurch war immerhin ein Festival-Klischee erfüllt.

Tag #1

Am Donnerstag, den ersten Oktober, war dann auch der erste Tag von dem Festival und es ging (vermutlich) auch pünktlich um 13 Uhr los. Zu der Zeit hockte ich leider noch auf der Arbeit. Glücklicherweise konnte ich an dem Tag eine halbe Stunde eher Schluss machen, somit konnte ich dann schon um halb 4 statt 4 Uhr mich auf den Weg nach Köln machen. Nach einer eher nervigen Autofahrt die sich auszeichnet durch monotones Autobahnfahren, Landstraßen mit hundert Blitzern und Ampelstau bin ich dann auch kurz nach 5 Uhr an der Essigfabrik angekommen. Ticket gezückt, rein in die Stube und sofort laufe ich auch schon meinem Kollegen Max in die Arme.

Ich bin definitiv sehr froh, dass ich es vor 6 Uhr geschafft habe. Immerhin wollte ich unbedingt Hypno5e sehen, die leider sehr geizig sind mit Touren. Die Jungs haben dann mit ihrem Auftritt sofort ein richtiges Highlight rausgehauen. Dichte Nebelwände umgarnen hervorragend die Atmosphäre welche die Band mit ihrer Musik erzeugt. Die für die Band typischen Sampels laufen in stiller Atmosphäre, gebieten Zeit die eigenen Sinne zu schärfen. Ekstatische Tanzeinlagen sind unter manchen Zuschauern zu begutachten, eine gewaltige Spannung liegt in der Luft. Mit den darauf folgenden harten Metalriffs und Breakdowns entläd sich dann diese Spannung und somit entsteht auch sofort ein Moshpit.

Diese Magie schafft die Band über ihre ganze Spielzeit aufrecht zu erhalten und sie ernten somit auch einen sehr großen Applaus von den Besuchern. Ich hätte mich ehrlich gesagt über eine noch längere Spielzeit gefreut, aber da die Band nicht ganz so populär ist wie die anderen Truppen die an dem Abend noch auf der Hauptbühne aufgetreten sind kann dieser Wunsch leider nicht erfüllt werden. Aber ganz Gewiss haben sich Hypno5e an diesem Abend einige neue Fans erspielt, da die Band beweisen konnte dass sie nicht nur auf Album eine ganz große Nummer sind.

An dem Abend ging es dann weiter mit Soen, die mir vor allem damals zu der Veröffentlichung ihres Debütalbums sehr gut gefallen haben. Witzig fand ich, wie sehr der Sänger „versucht“ wie Maynard von Tool auszusehen. Inspiration kann ja jeder finden wie er mag, aber da der Band oftmals vorgeworfen wird Tool abzukupfern finde ich es ziemlich unnötig auch noch optisch eine ähnliche Schiene zu fahren.

Wie auch immer, die Band hat eine schöne Mischung aus alten und neuen Liedern gebracht, wobei mir persönlich auch in einer Liveumgebung die alten Lieder besser gefielen als die vom neuen Album. Somit wird sich wohl auch nichts daran ändern, dass ich mit dem aktuellen Output nicht so viel anfangen kann. Nichtsdestotrotz ein sehr solider Auftritt.

Als nächstes auf dem Programm stünden Haken. Doch da mich diese Band überhaupt nicht interessiert hat beschloss ich mal einen Abstecher zur Sidestage zu machen. Hier spielten nun die Franzosen von Pryapisme (wer es nicht weiß: der Ausdruck Priapismus beschreibt eine schmerzhafte Dauererektion über mehrere Stunden). Mit ihrer irren Stilmischung aus Math, Grind, Synth, Classic, Jazz und klassischer Nintendomusik bringt die Truppe hier eine absolut geile Party an den Mann. Moshpit oder Tanzboden? Beides erlaubt!

Von den 3 Tagen Festival war dies definitiv einer der unterhaltsamsten Auftritte. Aufgrund der Irrwitzigkeit des Liedgutes musste ich mehr als nur einmal Schmunzeln und auch bei dem restlichen Publikum kam die Band sehr gut an.

Doch die Party geht weiter. Ebenfalls auf der Sidestage haben nun Trepalium aufgelegt welche den kleinen Raum mit ihrer Mischung aus groovigem Death Metal und Swing in Wallung brachten. Besonders erstaunlich fand ich die Leistung eines Gitarristen. Der Kerl hat die ganze Setliste innerhalb von nur wenigen Tagen gelernt (die genaue Zahl habe ich mittlerweile vergessen) was in Anbetracht des sehr anspruchsvollen Materials eine wahnsinnige Leistung ist.

Den letzten Auftritt an dem Abend legen dann schließlich Between The Buried And Me hin. Nunja, da ich das aktuelle Album nicht so toll finde war auch meine Vorfreude auf den Auftritt relativ gering. Angesehen habe ich sie mir dann trotzdem, aber so richtig gekickt hat es mich dann nicht da größtenteils nur neues Material gespielt wurde (immerhin haben sie mit Selkies eröffnet!). Die Zugabe fand ich dann auch relativ Banane und hat mich ziemlich unbefriedigt zurückgelassen.

Wie auch immer, nach dem Auftritt noch kurz auf dem Festivalgelände in der Kälte verharrt, bis ich dann mit den Jungs wegflitzte.

Tag #2

Ich bin ja nicht unbedingt der Typ, der häufig auswärts schläft und vor allem dann nicht bei Leuten die ich kaum kenne. Trotzdem tat ich dies während der Festivaltage und habe als Gast in einer Studenten-WG übernachtet. Insgesamt war auch dies für mich ein sehr interessantes Erlebnis, vor allem da mein Gastgeber eine echt coole Socke ist. Ein größeres Problem war für mich dann wiederum die Frage, was ich mir in den Mund stopfe. Da ich sonst relativ bedacht bin über meine Wahl der Nahrung und ich auch keine großartigen Möglichkeiten hatte mir mein eigenes Essen vorzubereiten musste ich dann wohl auf Knabbersachen umsteigen. Also schnell mal zu einem nicht ganz unbekannten Supermarkt Discounter gefahren und dort diverse Utensilien zum Frühstück eingekauft. Somit war ich dann also auch wieder bereit für einen weiteren Festivaltag!

Ein rotes Kreuz habe ich an dem Tag bei dem Kemper Workshop gemacht. Da ich selber einen Kemper Profiling Amplifier besitze habe ich mir erhofft einige Funktionen kennen zu lernen, mit denen ich mich noch nicht näher befasst habe. Leider wurden meine Erwartungen aber nicht erfüllt. Dies ähnelte mehr einer oberflächlichen Werbeveranstaltung für den Kemper die zugegeben eher weniger gut organisiert war. Wie auch immer, von dem Produkt bin ich trotzdem weiterhin überzeugt.

Insgesamt war für mich der Donnerstag musikalisch der am wenigsten interessante Tag. Daher hatte ich dann auch bis zum Auftritt von Destiny Potato keine weiteren Veranstaltungen wo ich unbedingt hinwollte. Also aus Langeweile mal bei der Hauptbühne hingestellt und Cyclamen angeschaut. Toll fande ich bei der Truppe mit welcher Spielfreude sie ihr Material gespielt haben. Die Gitarristen und der Bassist waren quasi den ganzen Auftritt über am grinsen.

Den restlichen Tage habe ich dann entweder bei weiteren Auftritten verbracht, habe einmal beim Ibanez Stand ein paar Gitarren ausgetestet oder mit meiner Festivalgruppe einfach ein bisschen am Rhein Kanal abgehangen. Das größte Highlight kam dann am Abend als The Algorithm aufgetreten sind.

Remi ist für mich einer der wenigen Künstlern der das wahnsinnige Potential in der Vermischung moderner Metal Musik mit EDM / IDM entdeckt hat und dieses auch konsequent umsetzt. Leider hatte ich vorher noch keine Möglichkeit ihn Live zu sehen, doch dies sollte sich an diesem Tag ändern.

Die Halle war absolut prall gefüllt, es wurde eine geile Lichtshow präsentiert und in der Menge wütete ein gnadenloser Moshpit. Oder war es doch ein Rave-Pit? Die Entscheidung fiel schwer ob man nun zu den Klängen von The Algorithm moshen soll oder tanzen. Doch ungeachtet dessen hatte ich einen gewaltigen Spass in der Menge und in der Setliste hat sich auch der ein oder andere neue Song versteckt, der mir schon gewaltige Vorfreude auf das neue Album bereitet. Ich habe langsam das Gefühl, dass Remi mit jedem Album noch besser wird als vorher. Der Typ ist einfach eine Bombe!

Nun, leider hat mich der Auftritt von The Algorithm dann auch ein wenig zu heftig mitgenommen. Danach hatte ich ziemlich böse Kopfschmerzen und war froh für jeden Moment, den ich sitzen konnte. So habe ich Monuments nur nebenbei gehört da ich dann lieber an der frischen Luft war als mich in die mittlerweile stickige Halle mit reinzuquetschen. Für mich aber auch kein Weltuntergang, da ich die Band nun auch schon weitaus öfter gesehen habe.

Tag #3

Meine Kopfschmerzen habe ich ausgeschlafen und insgesamt fühle ich mich auch relativ fit. Am Vortag hatte ich noch den Eindruck gehabt ich hätte mich erkältet, aber glücklicherweise war dies wohl nicht der Fall.

Zum Frühstück schnell einen Döner geholt, noch ein wenig rumgehangen und dann ging es auch schon weiter. Pünktlich zum Auftritt von VOLA bin ich angekommen. Zu Beginn des Jahres hat die Band mit ihrem Debütalbum einiges an Aufmerksamkeit erweckt und dies spiegelte sich auch hier wieder. Für ein 14 Uhr Set war die Halle schon sehr gut gefüllt und man konnte der Band auch ansehen, dass sie hiervon ziemlich überrascht waren. Doch die Aufmerksamkeit verdienen sie vollkommen meiner Meinung nach. Nicht nur auf Albumlänge macht die Band Spass sondern kann auch Live überzeugen. Feine Sache.

Wenn ich mich nur auf das Lineup beziehe war insgesamt der Samstag für mich wohl der beste Tag des ganzen Festivals. Quasi von 14 Uhr bis 20 Uhr zum Ende von Uneven Structure habe ich vor der Mainstage gecampt. Highlights waren hierbei einerseits Modern Day Babylon, von denen ich sehr großer Fan bin, andererseits aber auch Igorrr, den ich bisher weitestgehend ignoriert habe. Letzterer hat dann definitiv auch einen der besten Auftritte des Festivals hingelegt. Sein Breakcore mit Einflüssen aus Barock-Klassik und Trip Hop hat die ganze Halle in einen gewaltigen Party Bereich verwandelt. Seine irre Stilmischung hat im Publikum sowohl entsetzte als auch lachende Gesichter hervorgebracht.

Mir selber hat vor allem die Präsentation seiner Musik gefallen. Die beiden Sänger haben relativ konsequent ein „Die Schöne und das Biest“ Motto verkörpert und haben eine sehr individuelle Bühnenperformance vorgelegt. Selbst wer sich Igorrr auf Album nicht geben kann, dem würde ich definitiv empfehlen sich den Kollegen mal bei einem Liveauftritt anzuschauen.

Gespannt war ich dann insbesondere noch auf den letzten Auftritt am Tag von Cynic. Nachdem die Wochen vorher ein ziemlich großes Drama ausgebrochen war, war ich insbesondere gespannt wie Paul Masvidal seine Show durchzieht. Insgesamt hat er zu dem Zwischenfall nichts weiter gesagt außer eine kurze Danksagung an den Session-Drummer. Glücklicherweise war die Setliste auch relativ homogen gemischt, so dass auch genügend älteres Material zu hören war und nicht nur Lieder vom neuen Album (die allerdings in einer Liveumgebung eine ganz andere Stimmung erzeugten als das Album).

Da dies mein erstes Festival war möchte ich noch kurz meinen Gesamteindruck beschreiben. Die Musik war gut, das Wetter ebenso und die Location hat mir gut gefallen. Hat dies gereicht um das Euroblast zu einer unvergleichlichen Erfahrung zu machen? Wenn ich es allein auf diese 3 Punkte beziehe dann eigentlich nicht. Was das Festival so besonders gemacht hat war eher die familiäre Atmosphäre. Auf dem Festivalgelände konnte man sämtliche Musiker treffen die auf der Bühne aufgetreten sind und ganz ungezwungen mit ihnen quatschen. Ich weiß, dass dies bei anderen Festivals nicht der Fall ist, und genau dies macht das Euroblast wohl zu dem was es ist. Musikalisch erfüllt es eine Nische im Gegensatz zu den großen Festivals. Doch wer auch mit etwas moderneren Klängen was anfangen kann und Innovation nicht scheut der wird auch hier auditiv auf seine Kosten kommen.

Auch wenn ich nicht weiß, was nächstes Jahr kommen wird, so weiß ich schon dass ich wieder bei dem Euroblast sein werde.

chugchug [Marvin S.]

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