Der Wert der Klassiker und warum es sich auch heute noch lohnt, die Anfänge zu untersuchen.

Vor nicht allzu langer Zeit hat ein Kollege von mir auf diesem Blog einen Text verfasst, mit dessen Inhalt ich mich so gar nicht identifizieren konnte. Thema des Posts war der Stellenwert der Klassiker in der (Metal-)Musikwelt und wieso Klassiker im Allgemeinen überbewertet seien. Mein erster Gedanke war dann, ihm ein „Du hast ja komplett keine Ahnung“ an den Kopf zu werfen und zu jedem von ihm aufgeführten Punkt zu schreiben, wieso das kompletter Unfug ist. Da das aber weder Ihm und seiner Arbeit noch dem Thema an sich gerecht wird, habe ich das dann doch sein gelassen. Denn neben persönlichem Geschmack ist vielleicht der Hauptgrund für unsere stark divergierende Meinung zu diesem Thema eine komplett unterschiedliche Herangehensweise an Musik.

Denn mit seinem Grundstatement gehe ich natürlich vollkommen konform. Es gibt eine Menge Klassiker, die nicht nur die Musiklandschaft, sondern mit Sicherheit auch eine Menge Menschen nachhaltig geprägt haben, und das in einem Maße, das in der heutigen Flut der Veröffentlichung kaum noch vorstellbar erscheint. Das alleine kann aber natürlich nicht der Grund sein, warum Klassiker auch heute noch gehört werden, schliesslich gibt es in jedem Genre, den die Klassiker geprägt haben, unzählige moderne Veröffentlichungen, gegen die die Klassiker sich tagtäglich behaupten müssen. Und sicherlich haben diese Bands technisch einige Vorteile gegenüber ihren Urvätern, die Fortschritte in der Produktionstechnik der letzten 30 Jahre sind enorm. Die Frage ist aber, ob das wirklich zu einem besseren Ergebnis führt. Und hier kommen dann zum einen zu dem Punkt der persönlichen Präferenzen, und zum anderen auch zu der Art, wie man sich Musik nähert, die sich selbstverständlich auch bei jedem unterscheidet. Für mich persönlich stehen beispielswiese weder die technischen Fähigkeiten noch unbedingt die technische Seite der Produktion im Vordergrund. Sicher, eine furchtbare Produktion kann jedes Album ruinieren, aber im Allgemeinen erlebe ich sowas eher bei totkomprimierter Musik, komplett klinisch, künstlich und kalt klingenden Alben oder furchtbar getriggerten Drums ala Kataklysm denn bei Rumpelproduktionen. Aber schlussendlich spielt für mich eigentlich nur eine Rolle, ob die Musik irgendwas in mir auslöst, ob sie ein Gefühl, eine Stimmung transportieren kann und dafür spielen auch die technischen Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder nur eine untergeordnete Rolle wenn das Gesamtpaket stimmt. Denn das einige bekannte Bands zu ihren Anfangszeiten keine Musikprofessoren waren, ist sicherlich auch kein Geheimnis, aber Songwriting wird eben nicht nur durch technische Fähigkeiten determiniert. So können Bands wie Necrophagist zwar vielleicht alles mögliche an der Gitarre veranstalten, wenn das aber sowohl auf Platte als auch live komplett seelenlos rüberkommt, ist damit doch auch nichts gewonnen.

Alles in Allem spielen Klassiker für mich auch heute noch eine wesentliche Rolle in meinem Musikkonsum. Nicht weil der Klassikerstatus ein Selbstzweck ist, sondern weil Klassiker für mich auch heute noch die Essenz der von mir gemochten Musikrichtungen darstellen. Bands schufen komplett eigene Klangwelten, die zwar im Laufe der Jahre von anderen Bands ausgefüllt, aber in ihrem Grundgefühl sich doch immer wieder auf die Klassiker stützen. Und diese Ursprünglichkeit der Soundwelten, die von Klassikern kreiert wurde ist auch heute noch ein Grund, sich mit Klassikern zu beschäftigen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

[Florian R.]

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