panDEMOnium #3

Juhu, ich habe also die Ehre den Elften im Elften mit meinem Beitrag zu beglücken. Es gibt kaum eine Tradition, die ich verabscheuungswürdiger finde als (deutschen) Karneval. Eine Zeit, in der überall auf heile Welt gemacht wird, in der sich übergewichtige Besserverdiener verkleiden, bemalen, ihre Körper mit Massen an Speisen und Alkohol vollpumpen und unlustige Reden über was weiß ich alles halten. Das klingt doch nach einem ganzen Haufen Spaß, nicht wahr?

Was gäbe es passenderes, als meine sowieso schon metallastige Reihe „PanDEMOnium“ in diesem dritten Durchgang mit menschenverachtender Musik in Reinform zu füllen. Vorhang auf für Caveman Cult, die perfekte musikalische Untermalung für einen fröhlichen Karnevalsumzug. Vorhang auf für Qrixkuor aus dem Vereinigten Königreich, die sicherlich gerne mal für eine Büttenrede in Köln einspringen würden. Und auf den Vorhang für Weltesser aus Tampa/Florida, deren Brachialdoom sich bestens für Tanzeinlagen und ausgelassenes Feiern eignet.

Caveman Cult – Rituals of Savagery

Ross Bay Cult lebt. In den letzten 10 bis zwanzig Jahren hat es haufenweise Bands gegeben, die im War Metal Bereich versucht haben Fuß zu fassen. Der größte Einfluss dieser ganzen Bands heißt ohne Frage Blasphemy. Viele haben es versucht und kaum jemand hat es geschafft, den chaotischen Sound der Kanadier einigermaßen würdig zu imitieren. Plötzlich kommt also Rick Smith, Drummer der Stoner/Sludge-Band Torche, daher und haut mit seinen Kollegen Alvar Antillon und H. Bosch so richtig auf die Kacke. Mit „Rituals of Savagery“ kam in diesem Jahr ein wahnsinniges und vollkommen kompromissloses Demotape heraus, das in Fankreisen dieses Sounds unglaublich schnell von sich reden machte. Kaum eine Band war je so nah am kanadischen Endachtziger-Sound von Blasphemy und Konsorten dran. Der Gedanke, einer Karnevalsgesellschaft mit dieser geballten Ladung Hass und Energie den Tag zu verderben, fühlt sich irgendwie gut an.

489668

Qrixkuor – Consecration of the Temple

Ich habe mich gewundert als ich Qrixkuor und ihr 2014er Demo „Consecration of the Temple“ kennengelernt habe. Hochqualitativer Death Metal mit okkulter Note sollte unter den vielen Tapelabels (Iron Bonehead hätte soweit echt gut gepasst…) eigentlich schnell einen Abnehmer finden können, jedoch setzen die Londoner auf eigenen Vertrieb. Die paar hergestellten Exemplare des Demos sind mittlerweile vergriffen, allerdings gibt es in diesem Fall wieder mal einen „Name-Your-Price“-Download als Abhilfe.

„Consecration of the Temple“ klingt wie eine Aufnahme aus einer Höhle. Rasendes Riffing trifft auf brachiale Drums und ziemlich unmenschlich daher gewisperte Vocals. Das i-Tüpfelchen sind dann noch die Gitarrensoli, die wie aus dem Nichts die Raserei komplettieren. Fans von düsterem, vielleicht sogar etwas forderndem Death Metal der Marke Antediluvian sollten bei Qrixkuor voll auf ihre Kosten kommen.

a3045158347_16

Weltesser – Demo

Weltesser – allein der Name liest sich schon so, wie das Trio aus Tampa dann auch klingt. Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen dem feedbackgeladenen Walzensound von Thou, verstörenden Gitarrendrones der Marke Sunn O))) und der Riffgewalt von Ramesses. Spätestens im dritten Track „Falter“ versinkt man völlig in dem schwarzen Sog, den das erst im April diesen Jahres erschienene Demo von Weltesser kreiert. Das einsame Drumintro des abschließenden Zehnminüters „Hate Worshipper“ verheißt schon nichts Gutes, aber was Weltesser auf diesem Gerüst bauen, ist schlicht nicht mehr von dieser Welt. Zermürbend und unangenehm, Distortion bis zum Anschlag, kurze Passagen mit absolut fies daher gebellten Vocals von N. Peterson. Ein großartiges Sludge-Demo aus diesem Jahr, das bei mir hohe Erwartungen schürt, was das weitere Schaffen der Band betrifft. Den Preis für den Demo-Download dürft ihr auch bei Weltesser selbst wählen.

a0173909233_16

Delirium [Jonas B.]

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort