Mein Erleben der Clubbing Szene

Zum Nachtleben mag es viele Auffassungen geben. Während einige lieber den Abend in einer gemütlichen Atmosphäre verbringen, in Stille, mit guten Bekannten, einem Film, Videospielen etc., frönen andere dem Tanzgott und besuchen diverse Nachtclubs. Doch haben Nachtclubs auf einem Musikblog einen für sich dedizierten Beitrag verdient?
Viel mehr ist dies eine egoistische Aktion meinerseits. Ich möchte meine eigenen Eindrücke schildern, die ich sammeln konnte in meinen nächtlichen Ausflügen. Zwar gehöre ich nicht zu dem Typus Mensch, der jedes Wochenende Party macht, doch habe ich, denke ich, schon eine gute Spannbreite an Clubs gesehen, die alle eine etwas unterschiedliche Intention hatten.

Die Frage ist nun, wer überhaupt besucht solche Nachtclubs? Hier muss man mit Gewissheit Bezug nehmen auf die Ausrichtung des Clubs, doch nach meinem Eindruck kann man mit einem gewissen Auge schnell erkennen, welcher Club welches Publikum anzieht.
Während vor allem jüngeres Publikum auf ungehemmtem Alkoholkonsum und möglicherweise schnellem Sex aus ist, gibt es auch Menschen die nur aus dem Haus gehen um sich lauter Musik hinzugeben. Hierzu gesellen sich dann noch Mitläufer aus größeren Gruppen, die sich schon fast schämen dabei zu sein und den Großteil des Abends in einer Ecke verbringen mit einer Bierflasche in der Hand. Das traurige Bild wird erweitert um die einsamen Seelen die in einer Großstadt um Aufmerksamkeit betteln.

Mit den erstgenannten zwei Gruppen lassen sich dann grob auch die Clubs selber einteilen. Während es Mainstream Discotheken gibt die sich in unterschiedlicher Größe präsentieren, gibt es auch viele kleine Clubs die sich spezialisieren auf (Nischen-)Musik. Somit ist dann auch relativ schnell klar, wo sich welches Publikum findet.

Da ich nicht ohne Grund auf einem Musik Blog schreibe ist es auch recht offensichtlich, dass ich mich vermehrt in letzterer Gruppe an Clubs aufhalte. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich in regelmäßigen Abständen clubben gehe. Viel mehr ist es für mich eine Sache des Angebotes. Wenn ich sehe, dass eine Veranstaltung läuft die für mich interessant ist, ich nicht arbeiten muss und auch sonst in der Stimmung bin, dann gehe ich gerne los. Damit reserviere ich mir das Gefühl, an etwas Besonderem teilzunehmen. Viele Nischenclubs bieten ein wöchentliches Programm an, bzw. eines das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt. Das ist dann für einen Nerd wie mich auf Dauer relativ unattraktiv, sollte ich nicht gerade aus sein mit Bekannten und der Weg führt uns zu diesem Ort.

Wie stelle ich mich dann nun in einem Club an? Man könnte meinen, dass ein Musiknerd eher einer der langweiligen Sorte ist. Man sitzt in der Ecke, trinkt gelegentlich einen kleinen Schluck, unterhält sich mit anderen über das einzig präsente Thema, vielleicht wippt man sogar ein wenig mit dem Kopf.
Nun, in der Realität bin ich dann aber doch lieber derjenige, der das Tanzbein schwingt. Ähnlich wie die Kunst, ein Musikstück zu erschaffen, sehe ich es ebenso als künstlerische Darstellung an zu einem laufenden Stück zu performen. Die Stimmung eines Liedes einzufangen und in physischer Gestalt darzustellen ist ein äußerst vergnügsames und befriedigendes Unterfangen. Wer beispielsweise einige der jüngst aufkeimenden „Dubstep-Freestyler“ gesehen hat, wird verstehen was ich hier meine.

Letztendlich geht es mir hierbei dann einfach nur darum, eine gute Zeit zu haben, Spass zu haben, und in meinem Fall halt auch, dass ich mich selber ein wenig darstelle. Meinen ausgeprägten Egoismus einer Diva kann ich dann letztendlich doch nicht unterdrücken. :)
Um neue Musik kennenzulernen ist dies meist eher ungeeignet, da viele der clubtauglichen Lieder unter Kopfhörern nicht die nötige Atmosphäre erzeugen und aus einem musikalischen Sichtpunkt nicht unbedingt interessant sind. Doch wenn man dies umkehrt kann man in den Clubs das ausleben, was man Zuhause mit seiner eigenen Musikanlage nicht umsetzen kann.

Im Hinblick auf die Clubgänger sind meines Erachtens nach die Nachtclubs ein Spiegel unseres Zeitgeistes. Nirgendwo sonst kann man so greifbar die Symbiose aus Trieb und Kunst sehen. Und hierbei wird auch deutlich, dass diese zwei Dinge doch sehr miteinander verbunden sind. Der Trieb führt zu der Erschaffung der Kunst, die Kunst entzündet den Trieb der Bewegung, die Bewegung mündet in einer neuen, veränderten Darstellung. Es ist ein fortwährender Kreislauf. Ob dies für einen eine angemessene Beschäftigung ist kann ich nicht beantworten. Das muss jeder für sich selber wissen. Ich kann es jedoch empfehlen, wenn mal ein wenig Abwechslung auf dem Plan stehen darf.

-chugchug [Marvin S.]

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