Untergründiges – #3 Panphage

Heute geht es wieder in die düstere, tief verschneite Welt des skandinavischen Underground-Black Metals, wodurch man vielleicht auch so ein bisschen dem grauen, mitteleuropäischen Einerlei zu entfliehen vermag. Im dritten Teil meiner Serie beschäftige ich mich mit der schwedischen Band Panphage und ihrem relativ großen Output, wobei eine Veröffentlichung besondere Wertschätzung erfahren soll.

Panphage wurde 2005 als eines der vielen Ein-Mann-Projekte im BM-Untergrund gegründet und hat sich auch bis heute nicht zu einer wirklichen Band entwickelt. Der Alleinunterhalter nennt sich Fjällbrandt und kommt, anders als der im ersten Teil der Serie vorgestellte Kreis um das Label Ancient Records, eher aus dem südlichen Teil Schwedens, wobei die textlichen Themen im Grunde relativ ähnlich sind.

Wie es sich für eine ordentliche Underground-Band, die im Black Metal beheimatet ist, gehört, fing Fjällbrandt auch bereits kurz nach Gründung des Projekts damit an, fleißig Demo-Tapes zu produzieren und diese in geringen Stückzahlen zu vertreiben. Bis heute wurden unter dem Namen Panphage schon 9 Demos bzw. Splits veröffentlicht, wobei die Qualität der Veröffentlichung sowie der einzelnen Songs gerade zu Anfang noch relativ stark schwankte. Nicht zuletzt deshalb dauerte es wohl auch einige Jahre und Veröffentlichungen, bis Panphage seinen Hörerkreis ein wenig über lokale Grenzen hinweg vergrößern konnte. Mit dem 2010 veröffentlichten Tape „Ursvöl“ gelang erstmals eine Demo, die in Underground-Kreisen etwas mehr Aufsehen erregte als alle bisherigen Veröffentlichungen. Der Stil blieb dabei aber stets sehr prägnant und einfach, was die Band auch ein wenig von den bisher vorgestellten Interpreten unterscheidet, die doch einen kompositorisch etwas ausgefeilteren und „tieferen“ Ansatz haben. Nichtsdestotrotz liegt natürlich auch bei Panphage ein gewisser Reiz vor, sonst würde ich den Künstler hier nicht vorstellen.

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass in diesem Fall wirklich keinerlei Innovation oder irgendeine Neuerung des ursprünglichen Black Metal-Sounds zu erwarten ist, weshalb all jene, die dieses Stils über die Jahre überdrüssig geworden sind, nun am besten nicht weiterlesen. Für alle, die doch immer wieder an dem ein oder anderen hörenswerten Projekt interessiert sind, sei bei Panphage neben dem bereits erwähnten „Ursvöl“, das bereits alle Elemente des fortan typischen Panphage-Stils verbindet (eine musikalisch einfache, atmosphärisch einigermaßen düstere, eher aber stürmische und leichte wütende Mischung) vor allem die 2011 erschienen Demo „Nordlandets Dödsande“ empfohlen.

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Auf „Nordlandets Dödsande“ werden die bereits genannten Merkmale mit einem etwas melodischeren Songwriting verbunden, wodurch die Musik einen geradezu heroischen Charakter bekommt, der zugleich aber sehr naturnah wirkt. Auch die nun immer wieder eingestreuten Passagen, in denen eine Clean-Gitarre sehr melodische Zwischenspiele und Intros übernimmt, fügen sich außerordentlich gut ins Gesamtbild der natürlich dennoch relativ kurz gehaltenen Veröffentlichung ein. Aber gerade die Tatsache, dass Panphage seinen einigermaßen simplen Stil nicht über mehr als vierzig Minuten streckt, sondern ihn immer wieder in kleinen Tape-Happen anbietet, trägt vielleicht dazu bei, dass man beim Hören nicht zu schnell ermüdet. Auf „Nordlandts Dödsande“ finden sich dann aber auch unter den richtigen Black Metal-Stücken einige wirklich sehr gelungene Songs. Da wäre einmal der Opener, der nach ritualistisch klingendem Intro mit einem rasanten, vor wütender Energie schäumenden Refrain zu überzeugen weiß. Und selbst die relativ beschwingt gehaltenen Gitarrenläufe in den Strophen wirken, möglicherweise auch ob des grundsätzlich gut getroffenen, rohen Demosounds, keineswegs deplatziert. Auch „Kynjamein“ funktioniert im Prinzip sehr ähnlich, wenngleich dieser Song dann nicht ganz von der gleichen Qualität geprägt ist wie der Opener. Allerdings bleiben im Grunde alle Songs durch den sehr melodischen Grundcharakter, der jedoch nie in gewohnte Muster von Melo-BM-Dudelei abgleitet, stets unterhaltsam. Nach dem ebenfalls prägnanten und durch die keifenden, schwedischen Vocals an die wütenden Ausbrüche des Openers erinnernden „Svarta vågor“ ist es dann aber „Fredlös“, welches das abschließende Highlight darstellt. Mit schöner, melancholisch gehaltener und gleichzeitig sehr eingängiger Intro-Melodie wird der Song ein- und mit der gleichen Melodie dann auch in heroische Black Metal-Gefilde weitergeleitet, sodass man sich leicht den Anblick der auf dem Cover abgebildeten, verschneiten Fjälllandschaft ausmalen kann. Auch das Outro übernimmt dann noch mal eine ganz ähnliche Melodie, setzt mit seinen Clean-Gitarren sowie sogar ziemlich interessanten Clean-Vocals aber eher auf ruhige Klänge, was nach diesem letzten zornigen Ausbruch auf „Fredlös“ auch durchaus angemessen erscheint.

2015 hat man nun, nach immerhin zehn Jahren, tatsächlich ein erstes Album veröffentlicht, dem ich persönlich (bisher) aber noch nicht ganz so viel abgewinnen konnte wie „Nordlandets Dödsande“. So bleibt Panphage eine Band, die sicher nicht immer die höchste Qualität an Black Metal abliefert und von der Innovationen schon gar nicht zu erwarten sind, welche aber für jene, die sich an ursprünglichem, rauem Black Metal erfreuen können, zumindest nach kurzer Suche doch einige sehr schöne Momente bereithalten kann.

Levskin [Leonard R.]

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