Was machen eigentlich…

Norwegen ist ein Hort vieler Geburten einzigartiger Interpreten, besonders im Black Metal-Bereich. Doch haben diese nicht nur maßgeblich zur Entstehung ikonischster Trademarks für traditionellere Spielarten beigetragen, sondern mit ihren Experimenten auch am anderen Spektrum dafür gesorgt, dass Begriffe wie „Avantgarde Black Metal“ nicht ungreifbar bleiben. Aus dem Umfeld und Dunstkreis letzterer stammen die fünf Bands, die ich heute in den Vordergrund rücken möchte. Große Namen wie Ulver führen mit Jester Records inzwischen ein eigenes, erfolgreiches Label und verfügen über eine treue Gefolgschaft, doch konnte nicht jeder aus den Neunzigern bis ins Jahr 2015 so relevant bleiben. Es folgt nun weniger eine Historie als eine konkrete Bestandsaufnahme, wohin es jene Bands verschlagen hat und wie es um sie steht.


Arcturus
Dies dürfte uns allen von den Fünfen noch die präsenteste Band sein, nicht nur, weil sie vor einigen Wochen ihr fünftes Studioalbum „Arcturian“ veröffentlicht haben. Auch der Aspekt, dass sie nun bei Prophecy Productions unter Vertrag stehen, die eine wahre Instanz im deutschsprachigen Markt sind, kann geholfen haben, dass sie oft genug Erwähnung in journalistischen Outlets fanden. Zwar sollte das Album laut Facebook-Posts schon vor zwei Jahren erscheinen, aber das wäre ja nicht das erste Mal, dass sich Bands bei sowas verschätzen.
„Arcturian“ greift die Ideen von „Sideshow Symphonies“ auf und führt diese konsequent fort, weshalb man dem Gespann um ICS Vortex nicht unbedingt anhört, dass sie mehrere Jahre als aufgelöst galten und 2011 erst wieder zueinander fanden. Auch die ausgefallenen Kostüme sind immer noch mit von der Partie, mit welchen man zur Zeit fleißig am Touren ist (das nächste Mal auf dem Brutal Assault), weshalb es nicht so aussieht, als wenn neues Material in weiter Ferne stehen würde.

Dødheimsgard
Auch Dødheimsgard (aka DHG) haben mit Peaceville Records einen zuverlässigen Partner gefunden, die ihr neustes Album „A Umbra Omega“ im März veröffentlichten. Zwar mussten Fans nicht ganz so lange darauf warten wie bei Arcturus, doch wurde auch hier schon vor Jahren auf Facebook gepostet, dass es noch 2013 erscheinen sollte (2014 sollte sogar schon das nächste folgen) und dass der Entstehungsprozess einzig solange dauerte, da sich Yusaf Parvez mit dem Schreiben neuen Materials äußerst schwer tat (hier nachzulesen: „Once again it is time…“).
Dass „A Umbra Omega“ ein Album ist, für das es eine Menge Einsatz brauchte, lässt sich über die gesamten 67 Minuten nicht leugnen. Gerade die Performance von Aldrahn, der vor „Supervillain Outcast“ stets am Mikro stand, verleiht der Musik die angemessene Spur von Wahn. Ob nun als nächstes das versprochene Zweitalbum folgt, oder nicht, man kann sagen, dass DHG vorerst wieder in voller Fahrt sind.

Virus
Früher noch als Ved Buens Ende aktiv, hat sich das ekzentrische Trio von ihren Black Metal-Wurzeln getrennt und das enigmatische Destillat von „Written in Waters“ in ihr neues Projekt gerettet. Seit ihrem Debüt „Carheart“, welches damals über Ulvers oben erwähntes Label veröffentlicht wurde, herrscht der manische Geist in der Musik immer noch fort und verschafft der Band um Mastermind Czral einen absoluten Ausnahmestatus.
Es war zwar schon seit einigen Monaten bekannt, dass ein neues Album namens „Memento Collider“ anstehen würde, doch seit Juni ist es offiziell, dass sie Unterschlupf bei Karisma Records gefunden haben, die ihre vierte Full-Length im Winter herausbringen werden. Da Virus eigentlich noch nie enttäuscht haben, wird dies eine Veröffentlichung, der gespannt entgegengefiebert werden kann.

Fleurety
Eine der obskureren Bands der norwegischen Szene, die zwar 1995 mit „Min tid skal komme“ einen kleinen Meilenstein gesetzt haben, doch seitdem in Vergessenheit geraten sind. Nicht ohne Grund, denn trotz konsistenter Konstellation, ist nur noch unregelmäßig Material erschienen, welches den eigenwilligen Wandel des Duos dokumentierte. Man brach mit dem Genre und bestückte seinen Sound für den Nachfolger mit einer Fülle von elektronischen Elementen und sonstigen Experimenten, was viele Fans abschreckte und die Band zu einem Nischendasein zwang.
Lange Zeit war es ruhig um Fleurety, doch arbeitet man derzeit im Studio am dritten Album, von dem man vermuten darf, dass es sich an den neueren Songs der letzten EP-Trilogie orientieren wird. Dort ließ man wieder mehr Anzeichen von Black Metal durchscheinen, aber auch die wirren Arrangements, die nicht zuletzt die vielen Gastmusiker (u.a. von Arcturus und Virus) vom Vorgänger beigetragen haben, hat man versucht beizubehalten. Ob es zu einem gelungenen Clash unterschiedlicher Ansätze kommt, werde ich zu Zeiten des Releases hier im Blog mit Freude unter die Lupe nehmen.

Manes
Im Gegensatz zu den anderen besprochenen Bands hier, kann man bei Manes nicht unbedingt behaupten, dass sie das Black Metal-Geschehen der Neunziger maßgeblich mitgeformt haben. Zwar hat „Under ein blodraud maane“ auch seine Fans, doch erst ab „Vilosophe“, welches mit einem fast komplett anderem Lineup eingespielt wurde, erlangte man den Ruf, von dem man heutzutage profitiert.
Nach dem Comeback vor zwei Jahren veröffentlichte man via Debemur Morti das seit Jahren in der Schublade liegende Album „Be All End All“, welches wohl erst der Anfang gewesen sein soll. Es wird bereits tatkräftig an neuem Material geschrieben, welches voraussichtlich ebenso unter Debemur Morti erscheinen wird. Da der Kopf der Truppe, Tor-Helge Skei, derzeit bei vielen anderen Projekten (Lethe, Manii, The Eye) seine Finger im Spiel hat, ist es nicht sicher, ob ein Album mit komplett neuen Kompositionen wirklich bald ansteht, doch auch wenn „Be All End All“ nicht unbedingt an die Glanztaten vergangener Releases herankommt, haben sie darauf bewiesen, dass mit ihnen immer noch zu rechnen ist.

Hati [Daud B.]

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