Glückliche Verwechselung: Jaga Jazzist – Starfire

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Im modernen Sprachgebrauch tritt immer häufiger das Wort „Karma“ auf. Ein Begriff mit einem stark spirituellen Hintergrund, wird er doch von vielen mit dem Buddhismus assoziiert. Grundsätzlich meinen die meisten Menschen damit jedoch nichts anderes als einen Zufall, der möglicherweise mit vorangegangen Taten in Verbindung stehen mag. Offen bleibt, ob dieser Zufall nun positiver oder negativer Natur ist.

Mich ereilte vor kurzer Zeit ein solcher Zufall. Mit den ersten Zügen, mit dem ich das Geschehen in mich eindringen ließ, verspürte ich Ärger. Nach und nach, im Laufe der Zeit, korrumpierte mich dieses Ereignis, es nahm mich ein und gab mir einen anderen Blickwinkel. Letztendlich war ich glücklich über diesen scheinbar unglücklichen Zufall.
Begeistert von einem Upload auf dem „Inspected Dubplate“ Youtube Channel, habe ich mir das Full Length Debut von der britischen Elektro-Formation Maribou State direkt beim Label bestellt. Nun, eine Woche später mache ich freudig den Luftpolsterumschlag und finde ein anderes Album vor: „Starfire“ von Jaga Jazzist.
Natürlich habe ich sofort den Support kontaktiert, aber letztendlich habe ich hier 2 Alben bekommen: Einmal die MP3s vom Maribou State Album und dann die CD von Jaga Jazzist. Da ich dann doch sehr neugierig bin und ich mich immer über neue, tolle Musik freue, habe ich mich dann doch mal an „Starfire“ gewagt. Die sehr positiven Bewertungen bei rate-your-music haben da sicherlich nachgeholfen.

5 Tracks auf 50 Minuten klingt schonmal spannend. Ich habe von der norwegischen Band noch nie gehört, obgleich sie schon einige Studio Alben veröffentlicht haben. Als Genre Bezeichnung finde ich häufig den Begriff Nu-Jazz.
Eine gewisse jazzige Schlagseite hat die Band durchaus, doch ist sie auch weit davon entfernt mit Künstlern wie Miles Davis oder Charlie Parker verglichen zu werden. Dies ist ein hochmoderner Eintopf, zubereitet aus Stücken aus Jazz, Trip Hop, Prog Rock, Akustik und Elektro. Es klingt für meine Ohren so, als würden hier King Crimson auf Ulver und die norwegischen Shining zusammentreffen. Verwirrend, komplex, anstrengend, spannend. Doch trotzdem mit verdammtem Ohrwurmcharakter!

Der Albumtitel „Starfire“ in Relation gesetzt zu der gebotenenen Musik wirkt auf mich jedoch ein wenig unverständlich. Wenn ich an das Feuer eines Sterns denke, schießt mir die Sonne durch den Kopf, die Quelle unseres täglichen Lichtes, die Grundvoraussetzung des Lebens. Doch Jaga Jazzist zeigen sich hier eher düster und mystisch. Es ist keine strahlende Sonne, die man am Himmel sieht. Viel mehr ist es das schwarze Loch, welches sämtliches Licht verzehrt. So beginnt das Album mit dem Titeltrack relativ gemächlich und entführt in das unendliche Schwarze.

Glücklicherweise schaffen Jaga Jazzist über die ganze Spielzeit interessante Sounds und Songstrukturen zu verarbeiten. Hip Hop Beats, Synthie-Gewobbel, Akustikgitarren und Streicher. Schnelle Legato Läufe und langsam knarzende Elektronik. Die Truppe bringt sehr erfolgreich viele Einflüsse unter einen Deckel und kreiert hierbei auch noch einige herausragende Momente. Im längsten Titel des Albums, „Big City Music“, wird man nach einem minutenlangem Aufbau mit einer absolut majestätischen Melodie belohnt, die sich nicht mehr aus dem Gehörgang verabschieden möchte.

„Starfire“ ist wie eine dunkle Gasse an einem trüben Tag. Eigentlich möchte man nicht hier sein. Die Wände voll mit Graffitis, umgekippte Mülltonen, vor einem ist eine Kneipe aus der lautes Gegröhle dröhnt. Ich möchte hier weg, doch eine Hand packt mich von hinten und zieht mich in die Kneipe hinein. Ich sehe mich um, zwischen all den Rauchschwaden aus Zigarrenqualm sehe ich düster dreinblickende Gesichter. Doch sie begrüßen mich mit einem Lächeln. Sie zeigen mir, dass sie interessante Geschichten zu erzählen haben. Und schließlich möchte ich doch bleiben. Somit bin ich froh, dass ich in diese Kneipe hineingezogen wurde. Danke Karma.

Hörprobe

chugchug [Marvin S.]

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