Die Trendhure

Für viele Menschen ist Musik mehr als nur ein Klang, der als Schallwelle durch den Gehörgang wandert, das Trommelfell in Wallung bringt und in dem Innenohr als elektrischer Impuls an unser Gehirn geleitet wird. Viel mehr ist es ein Spiegel der eigenen Persönlichkeit, das Ausleben der eigenen Existenz und ein Mittel zur Distinktion.

Und insbesondere in Anbetracht dessen ist es mir wichtig, zu diesem Thema meine eigenen Worte zu formulieren. Dies ist mein erster Beitrag auf diesem Blog, der zur näheren Beleuchtung von neuer oder alter Musik dient. Ich möchte, dass ihr halbwegs meine Einstellung versteht, warum ich jetzt über diese Musik schreibe. Vielleicht weil sie mir gefällt und ich sie teilen möchte, vielleicht weil dies nicht der Fall ist und ich mein eigenes Unverständnis über die Begeisterung anderer Seelen bekunden möchte. Somit ist dieser Beitrag nun eine Vorstellung von mir selbst, garniert mit einer Meinung, einer Idee.

Es würde mich groß überraschen, wenn es Menschen gibt, die Musik nicht kategorisieren. Durch die bekannten Genre-Bezeichnung wird es uns vereinfacht, grobe Klangmerkmale von Musik zu unterscheiden, was und dabei hilft schneller Musik zu finden die unserern eigenen Vorlieben entsprechen. Doch da dies nicht genug ist tummelt sich unter dem Dach einer Genre-Bezeichnung noch eine Horde von Sub-Genres. Jedes von diesen hat seine eigenen Merkmale, die eine noch weitere Eingrenzung ermöglichen. Was mich umso mehr erstaunt, mit was für einem passionierten Hass manche Menschen diesen Sub-Genres begegnen.

Wer eine phasenweise Entwicklung durch die Metal-Szene mitgemacht hat weiß, was ich meine. Ich höre nun seit ich 15 bin mitunter Metal-Musik, und ich sehe mich immer mehr mit der Herausforderung konfrontiert, Musik zu finden die etwas neues bietet. Dies ist mitunter auch ein Grund, warum ich heutzutage vermehrt elektronische Musik höre oder auch Musik, die sich von den konventionellen Klassifizierungen distanziert. In dieser schier endlosen Übersättigung mit der immergleichen Musik bin ich glücklich über jedes neue Sub-Genre, welches aus dem Boden sprießt. Ich freue mich über jede Trendwelle, die neue Musik an die Oberfläche trägt.

Doch manchmal habe ich das Gefühl, allein dabei zu sein. Ob das Genre nun die Bezeichnung „Djent“, „Deathcore“ , „Nu-Metal“ oder ähnliches trägt ist relativ egal. Was sie verbindet ist die mediale Aufmerksamkeit, die sie innerhalb kurzer Zeit erlangt haben. Neue Fanscharen gruppieren sich, bilden einen eigenen Style und wollen ihr Lebensmotto propagieren. Dies hat meist den großen Erfolg, dass das neue Genre innerhalb kurzer Zeit von neuen Bands überschwemmt wird und nach wenigen Jahren als tot deklariert wird.
Was auf den ersten Blick befremdlich anmutet ist, dass diese Entwicklung erst seit den 2000er Jahren in dieser Form auftritt.

Der Grund dafür ist meiner Meinung nach absolut offensichtlich, denn es ist nichts geringeres als das Medium welches du gerade nutzt.
Auch wenn wir dank Youtube, Bandcamp und anderen Seiten die Möglichkeit haben, schnell neue Musik zu entdecken müssen wir uns eben auch damit abfinden, dass jeder die Chance hat seine Musik der Welt zu präsentieren. Und dass wir uns diese dann im Zweifel auch anhören müssen, wenn wir auf der Suche nach etwas neuem sind. So hat jeder aufstrebende Musiker die Möglichkeit, der Welt zu zeigen dass er der neue Superheld im Musiksumpf ist, oder zumindest glaubt er dies zu sein.
In der Hoffnung, mit dem neuen Trend einiges an Bekanntheit einzuräumen, folgen diese dann den Klischees des neuartigen Genres, so wie es auch tausend andere Bands tun.

Aufgrund dieser wahnsinnigen Schwemme an Bands, die sich in nichts anderem als einem Mitläufertun sülzen, stecken meist jedoch auch die wenigen wertvollen Edelsteine versteckt, die man sich mit einiger Mühe ausgraben muss.
Doch vor allem für diese Bands bin ich dankbar, die den neuen Sound mit frischen Ideen kombinieren. Und daher bin ich jedem dieser Hypes dankbar, egal welchen Namen er nun trägt. Denn auch die altbekannten Genres kann man mit diesen neuen Trendwellen ein neues Gesicht verpassen. Dies kann schief gehen, jedoch kann auch etwas absolut großartiges dabei entstehen.
Daher halte ich es für falsch, wenn man neue Trends kategorisch ablehnt. Letztendlich erhalten wir hier die Chance, neue Musik zu hören die es vorher möglicherweise nicht gab. Wir haben hier die Chance Bands zu entdecken, deren Klänge uns vielleicht auch das ganze Leben begleiten.
Darum habe ich auch kein Problem mich als eine Trendhure zu bezeichnen.

-chugchug [Marvin S.]

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